
Ein Credo von mir: Wer Agile wirklich verstehen will, sollte sich mit Lean intensiver beschäftigen. Da steckt unglaublich viel drin, was das Verständnis von Agile vertieft und erweitert.
Nehmen wir die Null-Fehler-Politik in der Produktion – ohne sie läuft Kanban nicht rund. Ein defektes Teil? Das wandert nicht weiter. Übertragen auf agile Teams – egal ob Scrum oder Kanban – wird klar, wie wichtig die Definition of Done (DoD) ist. Sie sorgt dafür, dass die Arbeit reibungslos durch den Workflow fließt. An den Übergabepunkten kann nahtlos weitergearbeitet werden – weil alles Notwendige erledigt ist und alle Infos vorliegen.
Prozesse von rechts nach links betrachten – also vom Ergebnis aus – macht extrem Sinn. So sieht man, wo und wie Übergänge zwischen den Schritten reibungsfrei, einfach und effektiv klappen.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Vermeidung von Muda – also nicht-wertschöpfender Arbeit. Im Toyota-Production-System geht es nicht darum, dass einzelne Teile des Systems möglichst kosteneffizient arbeiten, sondern das Gesamtsystem im Blick zu haben. Im Fokus steht, was echten Mehrwert für das Ergebnis liefert. Alles, was nicht dazu beiträgt, versucht man zu vermeiden.
Lean bedeutet hier nicht, dass es keinerlei Reserven gibt, sondern dass Prozesse und Abläufe schlank, aber robust sind. Gesund gestaltet heißt: Alles, was nicht zum Ergebnis beiträgt, wird reduziert – ohne die Fähigkeit zu verlieren, sich anzupassen oder zu verbessern. Noch genug Spielraum für Kaizen– die beständige, evolutionäre Verbesserung – bleibt, und auf Unvorhergesehenes kann reagiert werden.