
Seit Tagen lese ich vom großen Jammern in den Automobilkonzernen und von den Kahlschlagfantasien der Großkonzerne. Und immer wieder schießt mir dabei ein Gedanke durch den Kopf: Wenn das Spitzenmanagement versagt hat, darf das mittlere Management und die operative Basis dafür bluten und Angst um ihre berufliche Zukunft haben, während die Verursacher mit üppigen Boni in der Tasche den nächsten Tanker auf die Sandbank setzen dürfen.
Und noch schlimmer: Irgendwie erinnert mich das auch an das eklatante Versagen der Regierung SchMERZ. Ach ja, unser Bundeskanzler war ja auch ein Spitzenmanager, bevor er sich für noch höhere Weihen entschieden hat. Das erklärt wohl, warum er jede Verbindung zur realen Welt verloren hat. Er kennt ja nichts anderes als den Elfenbeinturm. Anders kann ich mir die Vorschläge, die teilweise an der Lebens- und Arbeitsrealität vorbeigehen, nicht erklären.
Mein Resümee: Der Fehler liegt im System. An die Spitze kommt nur, wer den „Kampf um die Fressnäpfe der Macht” im Elfenbeinturm gewinnt. Nicht derjenige, der echte Probleme effektiv und effizient löst. Die Lösung? Mehr Mitbestimmung, mehr Föderalisierung und Dezentralisierung (in Unternehmen, Politik und Verwaltung). Doch das ist leider unrealistisch, denn welcher Bewohner des Elfenbeinturms hat schon den Mut, sich aus eben jenem zu wagen?
Ich werfe eine weitere Perspektive in den Topf der möglichen Erklärungen: Knallharte Wirtschaftspolitik aus der Notwendigkeit heraus. Und wenn sich die deutsche Ökonomie dadurch wieder fängt, würden ja durchaus echte Probleme gelöst – und was ist effizienter, als es einfach bei den Armen zu holen?
Dass der Fehler im System liegt, da stimme ich dir allerdings uneingeschränkt zu.
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Oft genug hege ich Zweifel, ob weite Teile des aktuellen „Führungspersonals“ in Wirtschaft und Politik die Fähigkeit besitzen, aus der „Disruption“ heraus sinnvoll etwas Neues zu erschaffen. Dafür fehlt ihnen gefühlt die visionäre Kraft, das Vorstellungsvermögen und die Fähigkeit, weiterzudenken als ihre Praktikanten ein Klavier werfen können. Von daher habe ich so meine Zweifel, ob sich damit „echte“ Probleme gelöst werden.
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Ist das nicht die einzige Art von Politik, die das Überleben der deutschen Wirtschaft sichert? Wirkt auf mich doch recht zukunftsgerichtet. Oder was für eine Alternative gäbe es jetzt, wo sowohl der Exportüberschuss als auch die günstige Energie weggefallen sind?
Das waren die Gründe für das Florieren der Wirtschaft. Nur deshalb hatten es deutsche Arbeitnehmer im internationalen Vergleich die letzten Jahrzehnte verhältnismäßig gut und Deutschland konnte dennoch konkurrenzfähig bleiben. Das ist jetzt nicht mehr tragbar, also wird genau bei diesen Rechten, dem Sozialstaat etc. angesetzt. Das ist Systemlogik. Oder übersehe ich da was?
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Das ist eine Frage des zugrunde gelegten Paradigmas. Wenn du dem Paradigma der neoklassischen Ökonomie folgst, ist es die logische Schlussfolgerung. Das ist mir zu einfach. Einer der Gründe für den Erfolg der deutschen Wirtschaft war die relative soziale Stabilität mit wenigen Arbeitskämpfen, das Verständnis als Solidargemeinschaft mit gemeinsamer Verantwortung und die Innovationskraft des deutschen Mittelstands. In einer ganzheitlichen Betrachtung ist mir diese Argumentation daher zu kurz gegriffen, denn sie entlässt diejenigen aus der Verantwortung, die sich an den Schlüsselstellen zu lange auf den Lorbeeren des Erfolgs ausgeruht haben, ohne sich Gedanken über eine nachhaltige Zukunftsfähigkeit zu machen.
Mir ist die Komplexität durchaus bewusst und ich weiß, dass es keine einfachen Antworten gibt. Die „Entscheider” machen es sich meiner Meinung nach zu einfach, wenn sie die steile These aufstellen, wir könnten es uns nicht mehr leisten. Wir können uns vieles auch in Zukunft leisten, sofern wir gewillt sind, tiefer zu bohren, die Probleme an der Wurzel zu erkunden und Verantwortung zu übernehmen.
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Verzeih mir die späte Antwort. Ich denke, dass auch die soziale Stabilität eine direkte Folge der Standortbedingungen war. Genauso wie die Arbeitsmoral sich daraus gespeist hat, schließlich haben im internationalen Vergleich auch die Arbeitnehmer davon profitiert. So ein idealistischer Ansatz greift mir daher zu kurz. Aber an der Stelle sollte ich vielleicht kurz klarstellen, dass ich auf keinen Fall mit den politischen Entscheidungen oder dem neoklassischen Paradigma sympathisiere. Ich versuche nur, zu verstehen, was hinter den Handlungen steckt, und meine Schlüsse daraus zu ziehen.
Es mag schon sein, dass diverse Entscheidungen langfristig gesehen nicht die schlausten waren. Aber mit Verantwortung oder tieferem Bohren bekommt man den Karren nicht aus dem Dreck. Das muss nämlich schnell passieren, sonst versinkt der Staat in der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit. Und da wird bei der Arbeitnehmerschaft angesetzt. Ob sich das dann irgendwann ändert, wenn Deutschland wieder ein schillernder Stern am Himmel der globalen Wirtschaft geworden ist, sei mal dahingestellt. Genauso wie die Frage, ob das tatsächlich ein Vorgehen mit realistischer Aussicht auf Erfolg oder nur ein letzter, verzweifelter Versuch ist, eben nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.
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