#BUCHTIPP: Agile Leadership – Sandra Sieroux, Stefan Roock, Henning Wolf

Längst überfällig und höchste Eisenbahn wird es Euch ein Buch vorzustellen, dass bereits seit Herbst letzten Jahres auf meinen Schreibtisch geflattert ist: Agile Leadership von Sandra Sieroux, Stefan Roock und Hennig Wolf. Vorne Weg und der Transparenz wegen, das Buch ist im Zuge einer Verlosung in meinem Briefkasten gelandet, die der Verlag in Abstimmung mit den Autoren zum Erscheinen des Buches durchgeführt hat. Unabhängig davon hätte ich mir das Buch vermutlich gekauft, da das Thema mich interessiert und ich zwei der Autoren bisher als sehr reflektiert wahrgenommen habe. Was ich Euch schon an dieser Stelle sagen kann: Ich hätte es nicht bereut. Dies will was bedeuten angesichts der Vielzahl an Büchern, die sich ebenfalls mit Agile Leadership schmücken. Und damit sind wir ziemlich schnell auch beim Buch selbst.

Wie ich schon festgestellt haben, zum Thema Agile Leadership gibt es derzeit viele Bücher. Die meisten davon begnügen sich damit zu erklären, warum es Agile Leadership braucht und welche Haltung sich dahinter verbirgt. Damit könnte man fast den Eindruck gewinnen, das Rad würde neu erfunden. Und die Prinzipien, die unter dem Label „Agile Leadership“ vermarktet werden, wären vollkommen neu. Sind sie aber nicht. Klar, Agilität ist gerade in aller Munde und wir wissen alle selbstorganisierte Teams zu führen, ist eine Herausforderung, die durch aus ausführlich – und auch kritisch – reflektiert werden sollte und muss. Letzteres findet mir in den meisten Büchern leider zum Thema Agile Leadership wenig statt. Damit wären wir beim ersten Pluspunkt des Buches. Hier wird Agilität und auch agiles Leadership nicht als „Heilmittel“ für alle Probleme moderner Organisation dargestellt. Der zweite Pluspunkt des Buches ist die Tatsache, dass Agile Leadership nicht als etwas vollkommen Neues dargestellt wird, sondern dass sich dahinter viele verschiedene Konzepte verbergen, die es schon vor dem agilen Manifest gab und diese auch entsprechend benannt und gewürdigt werden. Dritter Pluspunkt, der für mich sehr wichtig ist, das Thema Agilität wird durchaus selbstkritisch reflektiert. Unter anderem wird Hierarchie – nicht wie häufig zu hören und lesen – mit Bausch und Bogen (und damit fälschlicherweise) verteufelt, sondern durch aus als legitim angesehen, wenn sie zielführender ist.

Inhalt und Aufbau des Buches

Das Buch besteht aus vier Teilen und 24 Kapiteln zzgl. Anhang. Die Einleitung setzt sich mit der Frage auseinander, was die Autoren unter Agilität verstehen und was in diesem Kontext Agile Leadership ihrer Meinung ist.

Der erste Teil widmet sich dann ausführlich dem Thema Selbstführung. Meines Erachtens eine Grundvoraussetzung, um andere führen zu können und spätestens seit Drucker Konsens. Hierzu bieten die Autoren verschiedene Denk- und Entwicklungsmodelle zur eigenständigen Reflexion an, die sich aus ihrer Sicht bewährt haben.

Der zweite Teil rückt die Führung von agilen Teams in den Fokus. Ausgehende von der Frage, was ein (selbstorganisiertes) gutes selbstorganisiertes Team ist, steht hier auch das Thema gemeinsame Reflexion und Weiterentwicklung im Fokus, für die gute Führung den Rahmen und die Voraussetzung schafft. Passende Hilfestellung wird entsprechend angeboten, die unterstützende wirken können. Dabei orientieren sich die Autoren am Modell des sogenannten Power Circle.
Im dritten Teil wird das Thema auf die Ebene der Organisation gezoomt. Hier liegt der Fokus zunächst auf dem Zusammenspiel von Hierarchie und agilen Teams, ehe sich die Autoren der Frage „Agilisierung“ der Gesamtorganisation zuwenden. Interessanterweise (und aus meiner Sicht positiv) wird hier die Brück zur Organisationssoziologie (Gruppenverhalten in Organisationen) und abrundend in Richtung Lean Management geschlagen. Eine gute Überleitung zum Teil vier des Buches.

Der Teil vier des Buches beschäftigt sich genauer mit den Rahmenbedingungen des organisatorischen Lernens und der Verankerung der Lernerfahrung in der Organisation. Passend hierzu greifen die Autoren bewährte Ansätze aus ihrer Praxis zurück.

Fazit

Während viel Bücher zum Thema Agile Leadership oft oberhalb der Teamebene stehen bleiben, beschäftigt sich das vorliegende Buch sehr deutlich auch mit der Frage der Verankerung agiler Führung in der Gesamtorganisation, ohne sich dabei auf einen bestimmten Framework festzulegen. Der Leser bekommt einen umfangreich Portfolio an Werkzeugen und Ansätzen aus Praxissicht geliefert, dass gleichzeitig theoretisch untermauert und reflektiert dargestellt wird. Für ein knapp 300-seitiges Buch gelingt der Spagat aus kompakter Darstellung, Tiefe und Praxisnähe sehr gut. Wünschenswert wäre aus meiner Sicht noch das Thema Beidhändigkeit der Organisation zu vertiefen, was allerdings den Rahmen des Buches sicherlich sprengen würde.
Das Buch ist gut zu lesen, versinkt nicht in abstrakt-wissenschaftlichen Diskursen, ohne dabei an qualitativem Tiefgang zu verlieren und sich – wie häufig zu beobachten – auf die Erzählung von Erfolgsgeschichten, die nur bedingt übertragbar sind – zu beschränken. Insgesamt eine gute und hilfreiche Darstellung der Thematik mit Ansätzen und Werkzeugen für die Praxis.

Rahmendaten

  • Buchtitel: Agile Leadership – Führungsmodell, Führungsstil und das richtige Handwerkszeug für die agile Arbeitswelt
  • Autoren: Sandra Sieroux, Stefan Roock, Henning Wolf
  • dpunkt.verlag
  • ISBN-10 : 3864906962 | ISBN-13 : 978-3864906961
  • Preis 30,40 Euro

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