#GEDANKENBLITZ | Wenn Verwaltung mehr „Gastgeberschaft“ wagt, gelingt auch bürgerschaftliches Engagement

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In kürzester Zeit wird mir aus meinem Bekanntenkreis berichtet, wie sich eine große Stadtverwaltung in eine erfolgreiche, aktive bürgerschaftliche Initiative drängt und versucht, die Führung an sich zu reißen – während sie die hochengagierten Treiber der Initiative an den Rand drängt. Ein solches Vorgehen halte ich für extrem kritisch und gefährlich, und zwar aus mehreren Gründen.

Zum einen untergräbt es das Engagement der Beteiligten, die sich zu Recht „entmündigt“ fühlen. Zum anderen kenne ich kaum eine Stadtverwaltung, die über zu wenig Arbeit klagt – im Gegenteil. Aus meiner Sicht sollte sich eine Stadtverwaltung freuen, wenn bürgerschaftliche Initiativen erfolgreich sind. Statt diese zu „kapern“, sollte der Fokus auf einer vertrauensvollen Zusammenarbeit auf Augenhöhe liegen, bei der die hauptamtlichen Akteure als Unterstützer und Befähiger agieren.

Wo nachhaltige Initiativen entstehen, sollten diese gefördert werden – indem man ihnen hilft, sich weiterzuentwickeln. Die Rolle der Hauptamtlichen auf städtischer Seite sollte die von Vermittlern, Facilitatoren und Befähigern im Sinne eines „Hosting Leadership“ sein, das Wachstum fördert. Verbunden mit der Hoffnung, dass die Initiative Nachahmer findet. Nur so gelingt eine funktionierende Stadtgemeinschaft auf Dauer. Das entlastet auch die Verwaltung, die ihren Fokus dann stärker auf die Bereiche richten kann, in denen es (noch) kein Engagement gibt, der Bedarf aber groß ist.

Wer jedoch beginnt, bürgerschaftlich Engagierte aus dem Duktus des hauptamtlichen „Profis“ heraus lenken und steuern zu wollen, wird schnell und kläglich scheitern. Denn hier wird verkannt, dass bürgerschaftliches Engagement vor allem intrinsisch motiviert ist – und zu dieser intrinsischen Motivation auch eine größere gestalterische Freiheit gehört. Und genau diese intrinsische Motivation macht oft den Erfolg von bürgerschaftlich getragenen Initiativen aus, die dann genauso schnell wieder sterben, wie das Auftreten von oben herab – der vermeintlichen Profis – diese Motivation zunichte macht.

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