#LINKSDERWOCHE | 34+35/2025: Produktivität, Lean, Agile, Management und Leadership

Nach einer kurzen Sommerpause melden sich die Links der Woche mit einer Doppelausgabe zurück. Die zwei Wochen im Hochschwarzwald waren leider viel zu schnell vorbei – ich war gerade in der Entspannungsphase, da war der Urlaub auch schon wieder vorbei. Ich muss wohl künftig drei Wochen Pause nehmen 😉

PRODUKTIVITÄT

Produktive Prokastination | Erkennen und Gegensteuern

Wow, Ivan Blatter hat mich mit dem Begriff „produktive Prokrastination” wieder einmal angesteckt. Ich musste reinhören und wurde erwartungsgemäß nicht enttäuscht. Schade nur, dass ich mich darin wiedererkannt habe. Overengineering des Produktivitätssetups. Uff, das kam mir nur allzu bekannt vor. In diese Falle bin ich vor vielen Jahren auch schon mehrfach getreten und muss heute noch immer wieder aufpassen, nicht wieder in dieses Muster zu verfallen. Ihr erfahrt, wie ihr erkennt, dass ihr produktiv prokrastiniert und wie ihr aus diesem Muster ausbrechen könnt.

https://ivanblatter.com/podcast/produktive-prokrastination/

Langeweile | Weshalb wir sie brauchen, um produktiv zu sein

Leider wurde uns eingebläut, dass wir ständig beschäftigt sein müssen – oder zumindest so tun –, denn wer nicht beschäftigt ist, ist nicht produktiv. Das ist, wie wir wissen, eigentlich Blödsinn. Echte Produktivität braucht Auszeiten für Reflexion und Kreativität. Langeweile ist daher etwas Wertvolles, auch wenn sie furchtbar nervig sein kann. Dort zu sitzen und nichts zu tun, kann ganz schön zermürbend sein. Zumindest für mich. Ich brauche eine Aufgabe oder ein Ziel. Oft komme ich aber erst durch die „Langeweile” auf mögliche „Zielsetzungen”, weil ich dann zur Ruhe komme und reflektieren kann. Dadurch entstehen für mich oft erst neue Erkenntnisse und Einsichten. Dan Rockwell stellt diesen Zusammenhang sehr gut dar. Für Klarheit und Einsicht brauchen wir Phasen der bewussten Ruhe und Langeweile.

https://leadershipfreak.blog/2025/08/18/two-surprising-secrets-of-boredom/

LEAN

5S | Die Prinzipien in der Kommunikation angewandt

Ich bin ein großer Freund der 5S, die leider viel zu oft auf „Ordnung am Arbeitsplatz” reduziert werden. Dabei lassen sich die Prinzipien dahinter auf weit mehr Bereiche sinnvoll anwenden. Unter anderem auf die Kommunikation, wie Götz Müller im folgenden Beitrag sehr schön aufzeigt. Ein sehr gutes Beispiel dafür, wie sich die 5S als Strukturprinzipien nutzen lassen, um Ordnung im Kopf zu schaffen.

https://www.geemco.de/artikel/5s-auf-der-informations-und-kommunikationsebene/

AGILE

KI in Scrum Teams | Weshalb die KI als Werkzeug nur reflektiert genutzt sinnvolll ist

Nach wie vor bin ich sehr ambivalent, wenn es um KI geht. Einerseits sehe ich einen gewissen Nutzen, wenn man KI als „Hilfsmittel“ reflektiert und kritisch einsetzt. Andererseits bleibe ich bei der um sich greifenden KI-Euphorie, auch im agilen Kontext, skeptisch. Zu dieser eher kritischen Sichtweise passt der Artikel von Stefan Wolpers, der in einer englisch- und einer deutschsprachigen Version verfügbar ist. Wolpers verdeutlicht, dass KI ein hilfreiches Werkzeug für Entwicklerteams sein kann – aber eben nur ein Werkzeug. Ein Werkzeug, das nur dann sinnvoll eingesetzt werden kann, wenn es reflektiert und bewusst als Hilfsmittel benutzt wird.

Englisch: https://www.scrum.org/resources/blog/statistical-ai-parrot-your-sprint

Deutsch: https://www.scrum.org/resources/blog/der-ki-papagei-ihrem-sprint

Scrum Master | Mögliche Karrierepfade für Scrum Master

Es ist mehr als legitim, sich Gedanken darüber zu machen, was man in Zukunft machen möchte. Insbesondere, wenn man viele Jahre als Teamfacilitator in agilen Teams tätig war, gibt es ein paar „Karrierepfade”, die interessant sein könnten. Der naheliegendste Schritt ist wohl der zum „Agile Coach”, aber auch die Rollen des Trainers oder der Führungskraft kommen infrage. Beim Thema Trainer sollte man allerdings auch beachten, dass der „Markt” inzwischen gut bestückt ist und es nicht ganz so einfach ist, sich hier zu etablieren.

https://www.scrum.org/resources/blog/karrierepfade-fur-scrum-master-welche-moglichkeiten-stehen-dir-offen

Tooltipp | Zeitgeist einer Organisation

Ein interessanter Gedanke von Rudolf (Ruedi) Gysi. Ich muss mich erst einmal von meiner negativen Assoziation des Begriffs „Zeitgeist” lösen, da ich ihn doch eher mit einer flüchtigen Modeerscheinung gleichsetze. Was ich aber gut und wichtig finde, ist die Idee, den „Zeitgeist” der Organisation im Zuge einer Bestandsaufnahme zu erfassen und zu verstehen. Letztendlich prägt er das Hier und Jetzt und damit die Ausgangssituation. Dazu greift er auf eine „Zeitgeist-Empathie-Map“ zurück. Ich werde den Gedanken aufgreifen und die „Zeitgeist-Empathie-Map“ als Analysewerkzeug für die Ist-Zustandsbeschreibung in meine Werkzeugkiste aufnehmen.

https://agilereflection.org/was-ist-der-zeitgeist-in-deiner-organisation/

Nachziehen in den Sprint | Weshalb es keine gute Idee ist, Arbeit in den Sprint nachzuziehen (zumindest solange nicht alles geplante „fertig“ ist)

Ich bin kein Freund davon, Arbeit unreflektiert in den Sprint nachzuziehen, wenn sich noch offene Aufgaben im aktuellen Sprint befinden. Wie Mary Iqbal treffend zum Ausdruck bringt, führt das dazu, dass am Ende des Sprints offene Arbeit „herumliegt” und damit für das Team unbefriedigend bleibt. In diesem Zusammenhang habe ich übrigens gute Erfahrungen mit Kanban-Elementen zur visuellen Steuerung des Arbeitsflusses während des Sprints gemacht. Ansonsten passen auch die Empfehlungen von Mary Iqbal sehr gut.

https://www.rebelscrum.site/post/before-you-pull-more-work-into-the-sprint

Kanban | Serviceklassen einfach erklärt

Thomas Esders von „No Bullshit Agile” erklärt die Thematik der Serviceklassen aus Sicht von Kanban sehr gut. Mithilfe von Serviceklassen lässt sich Arbeit gut priorisieren. Das ist übrigens auch in Scrum-Teams nutzbar, wenn man die Arten der Arbeit vorher segmentiert. In diesem Zusammenhang würde ich auch den Workflow der jeweiligen Arbeitstypen näher betrachten und ihn entsprechend bei der Visualisierung auf dem Scrum- bzw. Kanban-Board berücksichtigen. Wie Thomas treffend ausführt, sind die Serviceklassen nicht unbedingt für „frische” Teams geeignet. Für eine sinnvolle Clusterbildung braucht es Erfahrung damit, welche Arten von Arbeit tatsächlich in welchem Umfang anfallen. Dazu kommt, dass gerade in der reinen Entwicklungsarbeit die „typischen” Serviceklassen nicht ganz passend sein können. Dennoch ist die Segmentierung nach „Arten der Arbeit” sinnvoll, da unterschiedliche Arten unterschiedliche Workflows benötigen oder bei weniger komplexen Routinetätigkeiten der Aufwand klar beziffert werden kann.

https://no-bullshit-agile.de/nba78-kanban-serviceklassen-classes-of-service.html

User Story | Ein gutes Format, aber nicht immer zielführend und machmal kontraproduktiv

Die User Story hat sich nicht ohne Grund als bewährtes Format zum Festhalten von Anforderungen im agilen Kontext durchgesetzt. Dennoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass es auch andere Möglichkeiten gibt und die User Story nicht immer das am besten geeignete Werkzeug ist. Ganz im Gegenteil. Das Format ist ein Hilfsmittel, das reflektiert genutzt werden sollte. Man sollte daher immer auch mehrere Formate im Blick behalten. Zur Erinnerung: Nirgendwo steht geschrieben, dass Product-Backlog-Items als User Stories formuliert werden müssen. Es ist, wie gesagt, eine bewährte Praxis, die hilfreich sein kann.

https://www.scrum.org/resources/blog/user-stories-sometimes-do-more-harm-good

Geteilte Dienste oder crossfunktionale Teams | Was ist besser?

Eine perfekte Organisation, die als Blaupause für alle Lebenssituationen dienen könnte, gibt es nicht. Das ist ein allgemein bekanntes Bonmot der Organisationssoziologie. Daher gilt auch für die Frage „Shared Services vs. cross-funktionale Teams”, dass es die eine, alle glücklich machende Antwort so nicht gibt. Benjamin Igna versucht, die Frage aus der Flow-Perspektive zu beantworten und darzulegen, wann welche Option für die Organisation sinnvoll sein kann.

https://t2informatik.de/blog/shared-services-vs-cross-funktionale-teams/

Umfragen | Warum Umfragen nicht immer eine gute Idee sind

Stimmungsbilder per Umfrage und Ähnliches sind nur bedingt geeignete Werkzeuge, wenn es um Veränderungen geht. Da bin ich ganz bei Daniel Dubbel. Sie sind nur begleitend und mit einem längerfristigen Blick einzusetzen. Deutlich zielführender und erfolgreicher sind interaktive, dialogorientierte Formate. Das kann übrigens auch jeder bestätigen, der sich mit „Bürgerbeteiligung” beschäftigt hat. Und trotzdem sehe ich immer wieder, dass mit klassischen Umfragen gearbeitet wird. Und dann stellt sich noch die Frage, was mit den erhobenen Daten passiert. Meist nichts. Weil sie keine wirklich guten und belastbaren Impulse liefern. In diesem Sinne: Setzt bei Veränderungsprozessen u. ä. lieber auf interaktive Dialogverfahren und lasst euch gerne vom bürgerschaftlichen Engagement inspirieren. Es gibt eine Vielzahl solcher Verfahren. Sie sind wesentlich zielführender und liefern deutlich mehr Impulse.

https://www.inspectandadapt.de/weg-mit-den-umfragen/

Sprinziele | Templates für die Formulierung von Sprintzielen

Manchmal kann es sehr herausfordernd sein, Sprintziele zu formulieren. Da helfen gelegentlich Vorlagen wie das Akronym SMART. Fast schon ein Klassiker. Allerdings funktioniert dieser nicht immer so gut. Ich habe mich zwar auch immer an dieser Vorlage orientiert, aber mittlerweile gibt es bessere Ideen, von denen sich zwei im Artikel von Simon Flossmann wiederfinden. Am besten hat mir jedoch das Bonus-Template gefallen. Das Sprintziel als Einladung formuliert. Gefällt mir. Mal sehen, wie es sich in der Praxis bewährt.

https://www.scrum.org/resources/blog/3-sprintziel-templates-fur-scrum-teams-die-ich-den-letzten-10-jahren-genutzt-habe

Additive und substraktive Veränderungen | Eine Studie mit spannenden Erkenntnissen

Über einen Beitrag von Felix Stein bin ich auf eine interessante Studie gestoßen, die sich mit additiven und subtraktiven Veränderungen in Organisationen beschäftigt. Das Ergebnis bestätigt, was viele von uns oft erleben: Es werden neue Regeln und Prozesse zusätzlich etabliert – und alles wird schlimmer. Dabei wäre es oft effektiver, Regeln und Prozesse abzuschaffen. Doch genau diese Alternative wird oft gar nicht intuitiv gewählt. Spannend. Ich muss mir die Studie genauer ansehen.

https://www.lean-agility.de/2025/08/additive-and-subtractive-change.html

Werte im Team | Werte im Team für mehr Wirksamkeit nutzbar machen

In ihrem Gastbeitrag bei t2informatik schreibt Irene Timmers über Werte und ihre Wirkung im Team. Über Werte oder Wertverständnis zu sprechen, kann dazu beitragen, dass ein Team ein gemeinsames Verständnis entwickelt, (unnötige) Konflikte gar nicht erst entstehen und die Zusammenarbeit durch ein besseres gegenseitiges Verständnis gelingt. Genau das zeigt der Beitrag. Als Bonus gibt es eine kleine Anleitung für einen Werteworkshop im Team mit Praxistipps dazu. Das ist keine Raketenwissenschaft, aber sehr hilfreich.

https://t2informatik.de/blog/teams-werte-wirksamer-werden/

MANAGEMENT UND LEADERSHIP

Veränderungen | Wie man als Führungskraft sorgt, dass Veränderungsprozesse garantiert an die Wand fahren …

Dan Rockwell zeigt in einem sehr knackigen Blogartikel, wie man als Führungskraft garantiert jede Veränderung sofort an die Wand fährt. Kommt euch das bekannt vor? Genau. Da muss ein Schüler von Meister Konfus am Werk gewesen sein. 😉 Jetzt, da wir wissen, wie man es nicht macht, wissen wir zumindest, wie man es erfolgreich umsetzt.

https://leadershipfreak.blog/2025/08/22/how-incompetent-leaders-lead-change/

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