#LINKSDERWOCHE | 18/2025: Produktivität, Agile, Management und Leadership

EDITORIAL

Gefühlt wird die Ausbeute an interessanten Links immer geringer. Hängt das vielleicht mit der KI zusammen? Oder sind überoptimierte Algorithmen das Problem? Zumindest bei LinkedIn und anderen Netzwerken habe ich diesen Eindruck. Es gibt schöne Bildchen, viel Selbstbeweihräucherung und wenig Inhalt. Zum Glück setze ich auf RSS-Feeds für den Informationsüberblick und bin damit zumindest teilweise vor Algorithmen sicher, die Bullshit spucken. Leider nicht ganz vor KI-generiertem Bullshit, der deutlich zunimmt. Ich habe nichts gegen KI-Unterstützung, aber bitte nur als „Unterstützung”. Wenn alles nur noch von anderen abgeschrieben wird, ohne eine eigene Denkleistung einzubringen, dann wird es schnell langweilig. Ein kleines Beispiel: Kürzlich hat es sogar eine vermeintliche Band geschafft, mich kurz auszutricksen. Dieses eine Lied war richtig gut. Ich habe mir weitere Titel angehört, die erstaunlich ähnlich aufgebaut waren. Etwas zu glatt. Zu viel des Guten. Eine kurze Google-Suche hat ergeben, dass die Lieder komplett KI-generiert sind. Zu langweilig. Kein Pfiff. Das ist die schöne neue Welt.

PRODUKTIVITÄT

Prokastination | Wenn „Verschieben“ zum Problem wird

Denjenigen, die sich bereits mit Prokastination beschäftigt haben, bringt der Blogartikel von André Bosse vermutlich keine neuen Erkenntnisse. Die Zusammenfassung finde ich dennoch brauchbar. Viele der Punkte findet man übrigens auch im Podcast von Ivan Blatter, der auch immer wieder in den „Links der Woche” erwähnt wird. Abgesehen davon ist das Aufschieben vermutlich normal. Bis zu einem gewissen Grad ist es sicherlich auch hinnehmbar. Ich lasse zum Beispiel gerne auch mal bewusst Aufgaben liegen, um Gedanken reifen zu lassen oder zu überprüfen, ob sie wirklich wichtig sind. Das fällt nicht unter Prokastinieren, weil es eben bewusst geschieht.

https://www.manage-dich-selbst.de/prokrastination-ueberwinden/#Welche_konkreten_Ursachen_fur_Prokrastination_gibt_es

KI und Workflows | Ändert sich wirklich etwas?

Lässt sich jeder Workflow mittels KI optimieren? Diese Frage habe ich diese Woche in die Runde geworfen und dabei angemerkt, dass auch eine KI nur so gut sein kann, wie die Daten, mit denen sie gefüttert wird. Wer also keine gute Struktur hat, kann auch von einer KI keine Wunder erwarten. Abgesehen davon waren und sind hochstandardisierbare Workflows auch ohne KI automatisierbar. Dumm nur, dass vieles gar nicht so hochstandardisierbar ist. Das ist ein Grund, weshalb ich die Erwartungen an KI für überzogen halte, ebenso wie die Erwartungen an Automatisierung generell. Die Maschine wird manches ermöglichen, aber eben keine Wunder wirken, da bin ich sicherlich mit Jan Fisbach einer Meinung.

https://www.teamworkblog.de/2026/04/workflow-und-ki-andert-sich-etwas.html

Schmeichelei | Weshalb wir Schmeichelei bleiben lassen sollten und was wir stattdessen tun sollten

Beim Stöbern im Leadershipfreak-Blog von Dan Rockwell bin ich wieder einmal über Ideen gestolpert, die mir seltsam bekannt vorkamen. Das dürfte nicht wundern, denn er verweist tatsächlich auf die Stoiker der Antike. Auch nach so langer Zeit sind sie in vielen Dingen noch immer gut für Ratschläge. Das muss man ihnen einfach neidlos zugestehen. Zu den vielen Ratschlägen der Stoa gehört beispielsweise, nicht der „Schmeichelei” zum Opfer zu fallen. Wie immer sehr lesenswert.

https://leadershipfreak.blog/2026/05/01/escape-the-flattery-trap/

Tooltipp | Datensparsam im Grünen den Weg finden

Zum Thema Produktivität gehört für mich die Auszeit im Grünen, zum Beispiel Wandern oder Radtouren. Leider kommt das bei mir etwas zu kurz, da es den Kindern oft zu langweilig ist. Da ich gerne meinen Weg finde, beschäftige ich mich natürlich auch mit geeigneten Hilfsmitteln wie Apps. Google Maps ist dafür nicht wirklich ideal. Die bekannten Apps tun sich nicht gerade durch Datenschutz hervor, wie immer wieder durchsickert. Netzpolitik hat einige Alternativen vorgestellt. OrganicMaps habe ich übrigens schon eine Weile ausprobiert und ganz passable Erfahrungen damit gemacht. Auch als Alternative zu Google Maps für die Navigation im Auto ist es gut geeignet.

https://netzpolitik.org/2026/wandern-radfahren-frei-und-dezentral-ins-gruene/

Kreativität | Kreative Lösungen entstehen im Plural

Das Thema von Lars Richter passt tatsächlich als Querschnittsthema in fast alle Bereiche der „Links der Woche”. Ich ordne es daher hier bei Produktivität ein. Denn es geht um Kreativität. Und kreative Prozesse gelingen meiner Beobachtung nach am besten im Austausch mit anderen Mitmenschen. Da kommt auch keine KI wirklich mit. Auch wenn sie als Unterstützungshilfe Impulse liefern kann. Echte Kreativität entsteht dabei jedoch nicht. Sie ist am Ende aber nicht in der Lage, selbstständig zu denken. Übrigens habe ich auch beobachtet, dass man viele Ideen entwickeln und verwerfen muss, ehe aus diesem Prozess die zündende Idee entsteht. Auch das funktioniert wieder nur im Zusammenspiel mit anderen. Ganz im Sinne von Lars Richter: Kreativität gibt es nur im Plural.

https://scamper.blog/kreativitaet-gibts-nur-im-plural/

AGILE

Scrum Master | Wie man es garantiert vergeigt …

Der Job eines Scrum Masters ist anspruchsvoll. Sehr sogar. Vorausgesetzt, man versteht, worum es geht. Sicherlich fällt kein Meister vom Himmel. Gute Scrum Master*innen entwickeln sich daher auch beständig weiter. Die weniger guten bleiben in ihrer Entwicklung hängen. Doch wie erkennt man seine Entwicklungsmöglichkeiten? Eine Möglichkeit ist, sich anzuschauen, was man auf keinen Fall tun sollte. Simon Flossmann zeigt hier fünf Wege, wie man es garantiert an die Wand fährt. Es geht um etwas mehr als nur den Scrum-Leitfaden und seine Regeln, sondern auch um ein tiefergehendes Verständnis des Wesens und der Organisation an sich. Nur um einige Punkte zu nennen.

https://www.scrum.org/resources/blog/5-todsichere-wege-als-scrum-master-miserabel-zu-sei

Scrum Master | Agiles Produktmanagement gehört zum Handwerkszeug

Scrum Master*innen, die ihr Handwerk verstehen, wissen um die Bedeutung der Produktentwicklung für das Gelingen eines Scrum-Teams. Zur Erinnerung: Scrum ist ein Framework für die Produktentwicklung, also das explorative Erkunden. Neben dem Team gehören auch die Product Owner zu den wichtigen Protagonisten. Auch sie benötigen gelegentlich Unterstützung, um den Rahmen abzustecken und dem Team die notwendige Orientierung zu geben. Ein gutes Zusammenspiel zwischen Product Owner und Scrum Master ist daher unerlässlich. Dies wiederum setzt voraus, dass Scrum Master:innen ein gutes Verständnis von Produktentwicklung haben. Genau darum geht es im Podcast der Produktwerker mit Jan Neudecker.

https://produktwerker.de/was-sollten-scrum-master-ueber-agiles-produktmanagement-wissen/

Veränderungen | Überzeugen durch Wirksamkeit

Ich denke, den Fehler, den Marc Löffler in seinem Podcast anspricht, haben wir alle in der Vergangenheit schon mehr oder weniger gemacht und schmerzhaft gelernt. Bei Veränderungen geht es nicht darum, ein Werkzeug zu implementieren, sondern Ergebnisse zu erzielen. Ergebnisse, die für die Beteiligten greifbar und erlebbar sind und einen Nutzen haben. Nach all den Jahren, in denen ich mich mit Agilität beschäftigt habe, kann ich seine Rückschlüsse auf jeden Fall bestätigen. Agilität ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Hilfsmittel, mit dem wir etwas erreichen wollen. Zum Besseren. Damit begeistert man seine Mitmenschen. Übrigens habe ich gelernt, Widerstände als wertvolle Impulsgeber und Indikatoren für Verbesserungspotenziale zu schätzen.

https://marcloeffler.eu/2026/04/28/warum-dein-team-jede-veraenderung-mitmacht-wenn-der-preis-stimmt/

Obeya | Starte mit dem Wozu

Heute möchte ich etwas „Eigenwerbung” für einen Blogartikel machen, den ich für das Forum Agile Verwaltung geschrieben habe. Es geht um Obeya – oder besser: Was es braucht, um Obeya zu starten. Und hier bin ich, wie bei fast allen Dingen, der festen Überzeugung, dass das „Wozu” der zentrale Kompass und die Gelingensvoraussetzung für einen guten Start ist. Wozu wollen wir etwas tun? Falls sich jemand mehr für das visuelle Management mit Obeya interessiert, stehe ich gerne Rede und Antwort. Wissen vermehrt sich, indem man es teilt.

https://agile-verwaltung.org/2026/04/30/mit-obeya-starten-das-weshalb-als-schluesselfrage/

MANAGEMENT UND LEADERSHIP

Organisatorische Silos | Wie lokale Optimierung zur Falle für die Organisation wird

Joost Minnaar von Corporate Rebels bringt es mit der dramatischen Geschichte des Untergangs der Titanic auf den Punkt: Die Katastrophe hätte verhindert werden können, wenn die organisatorischen Silos an Bord des Schiffs nicht verhindert hätten, dass die Warnungen vor Eisbergen die nötige Dringlichkeit erhielten. Nicht, weil inkompetente Mitarbeitende Mist gebaut haben, sondern weil strukturelle Probleme in Form von lokal optimierten organisatorischen Silos ihren Job ziemlich gut gemacht haben. Aber eben nicht aus einer ganzheitlichen Perspektive. Genau dieses Problem nehme ich in vielen Organisationen wahr. Lokal optimierte Silos, die das große Ganze allerdings gefährden. Die Lösung? Autonome Teams in dezentralen Strukturen, die eigenständig – innerhalb einer gemeinsamen Zielrichtung – reagieren können, sowie kurze Rückkoppelungswege.

https://www.corporate-rebels.com/blog/organizational-silos

Freie Wahl | Den „Chefe“ selbst auswählen

In diesem Zusammenhang ist auch die Idee der freien „Vorgesetztenwahl” interessant. Sicherlich ist dies nicht in jedem Kontext und uneingeschränkt möglich, aber seien wir mal ganz ehrlich: Wenn das Vertrauensverhältnis zerrüttet ist, sollte ein Wechsel des „Chefs” möglich sein. Denn nicht immer liegt es an den Mitarbeitenden, wenn es nicht funktioniert. Das ist ein Gedanke, dem ich Felix Stein daher beipflichte und den ich spannend finde. Eine Führungskraft, mit der ich vor ein paar Jahren zusammengearbeitet habe, sagte einmal, dass Menschen Menschen folgen. Dabei schwang eine gewisse Bewunderung mit, wie gut es einem bestimmten Teamleiter gelang, Mitarbeiter nicht nur zu gewinnen, sondern auch deutlich länger zu halten, als es anderen Teamleitern gelang. Ich bin mir sicher, dass manche auch gerne zu diesem Teamleiter gewechselt wären, wenn man ihnen die Wahl gelassen hätte. Nicht, weil er besonders großzügig gewesen wäre, sondern weil er durchaus kritische Dinge auf positiv-menschliche Weise vermitteln konnte und es ihm gelang, Menschen auf authentisch-ehrliche Weise anzusprechen. Das war eine große Stärke.

https://www.lean-agility.de/2026/04/freie-vorgesetzten-wahl.html

Kompetenzaufbau | Sinnvoll in die KI-Kompetenz investieren

KI ist derzeit in aller Munde. Ich bin der Überzeugung, dass die Erwartungen an KI viel zu hoch sind. Dennoch ist sie gekommen, um zu bleiben. Das setzt auch den Aufbau von KI-Kompetenz in Organisationen voraus. Ebenso wie jede andere digitale Kompetenz (in diesem Bereich wurde bereits genug geschlampt). Mit Nadine Pedro bin ich einer Meinung: KI-Kompetenz sollte gezielt entwickelt werden. Und nein, das ist nicht allein Sache der Mitarbeitenden, sondern auch des Unternehmens. Wer aus falsch verstandenem Kostendruck seine Mitarbeitenden nicht bei der Kompetenzentwicklung unterstützt, hat nicht verstanden, wer in Organisationen die Wertschöpfung erzeugt, die die Organisation am Leben erhält.

https://t2informatik.de/blog/foerderung-ki-kompetenzen-unternehmen/

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