#LINKSDERWOCHE | 35-38/2024: In eigener Sache, Produktivität, Lean und Agile

In eigener Sache

Hallo, da bin ich wieder. Die letzten Wochen waren ziemlich ruhig. Eine Woche nach der Sommerpause hat mich die aktuelle Krankheitswelle erwischt und das heftiger als erwartet. Dachte ich zuerst, es wäre nur die übliche 3-Tages-Erkältung, musste ich leider feststellen, dass es doch etwas heftiger war. So ein hinterhältiger Virus ist eben hartnäckig. Leider. Kürzer treten war also angesagt. Zähneknirschend musste ich mich geschlagen geben. Es scheint niemandem aufgefallen zu sein, zumindest habe ich nichts gehört. Das ist aber nicht der Grund, warum ich im Moment überlege, ob ich die „Links der Woche“ weiterhin zusammenstellen möchte. Die „Qualität“ der Blog-Artikel, die Woche für Woche in meinen RSS-Reader gespült werden, lässt gefühlt nach (oder meine Ansprüche sind gestiegen, da bin ich mir noch nicht so sicher) und der Aufwand ist nicht gerade gering. Ich verbringe jede Woche mehrere Stunden damit, die mir (und meiner Familie) an anderer Stelle schmerzlich fehlen. Mal sehen, wohin das Pendel ausschlägt, denn eigentlich ist die wöchentliche Zusammenfassung der Netzfunde auch für mich sehr hilfreich und lehrreich.

Produktivität

Fokussessions | Fokussiertes Arbeiten über gemeinsame Remote-Sitzungen?

Ivan Blatter greift das Thema Fokus auf. Zumindest habe ich mich bereits von seinem Intro stark angesprochen gefühlt. Viele Dinge, die er da anspricht, kommen wir erschreckend bekannt vor. Seit Corona ist das Thema fokussiert arbeiten auch wieder verstärkt in mein Bewusstsein geraten. Die Vielzahl an Videokonferenz über den laufenden Tag hat gefühlt dazu geführt, dass fokussiertes Arbeiten weniger geworden ist. Ivan bringt hier eine Idee ins spiel: Fokussessions. Gemeinsames und doch stilles, fokussiertes Arbeiten. Und dies Remote. Zwar kann ich mir vorstellen, dass die „soziale Dynamik“ von „virtuellen“ Fokussessions dem einen oder anderen Unterstützung bietet und doch tue ich mich schwer damit. Ich habe jeden Tag zig Remote-Termine und noch einen zusätzlich? Ich muss das Ganze noch Sacken lassen. Mal sehen. Habt Ihr schon Erfahrung damit gesammelt? Lasst es mich gerne Wissen.

https://ivanblatter.com/podcast/fokus-sessions/?

Glaubenssätze | Umgang mit Glaubenssätzen

Der Artikel von Michael Schenkel ist – wie ich finde – ein schöner Anstoß, sich mit den eigenen Glaubenssätzen zu beschäftigen. Das greift leider auch bei mir viel zu kurz, da ich mir im Alltag hierfür viel zu selten Zeitfenster reserviere. Michael erklärt zunächst, was Glaubenssätze sind, wie sie entstehen und wie sie uns negativ wie positiv beeinflussen. Am Ende spricht er den reflektierten Umgang mit ihnen an. Und genau hier liegt die Krux. Die Reflexion der Glaubensätze, der persönlichen wie auch der in unseren Organisationen, in denen wir wirken (neben dem „Job“ gehören wir meist ja auch noch Vereinen, Verbänden, Institution aller Art an) findet gefühlt sehr wenig statt und doch sind die Glaubensätze ein nicht zu unterschätzender Faktor.

https://t2informatik.de/blog/unsere-welt-der-glaubenssaetze/

Zuverlässigkeit | Zuverlässigkeit sollte man nicht unterschätzen …

Irgendwie trifft Bernd Geropp bei mir einen Nerv. Das Thema Zuverlässigkeit. Wer mich kennt, der weiß, dass mich des Öfteren über die Volkskrankheit der grassierenden „Unverbindlichkeit“ schimpfe, zu der auch die Nichteinhaltung von getroffenen Zusagen ohne Vorwarnung gehört. Das ist etwas, da kann ich fuchsteufelswild werden. Es gibt einige Gedankenblitze dazu hier im Blog. Übrigens hat „Verlässlichkeit“ oder Zuverlässigkeit auch etwas mit Vertrauen und Verantwortungsübernahme zu tun. Das gilt auf allen Hierarchiebenen. Wer nicht verlässlich ist, der disqualifziert sich, vereinfacht ausgedrückt als Führungskraft, Mitarbeiter, Kollege, Partner und – ja, liebe Dienstleister und Unternehmer.

https://www.mehr-fuehren.de/zuverlaessigkeit-ist-eine-entscheidung/

Lean

Entlasten durch Ausmisten | Buchpräsentation Delete-Strategie

Es gibt ein neues Buch von Martin Gaedt, das hier noch ganz frisch auf dem Bücherstapel liegt. Der Titel hat mich sofort angesprochen, weil ich im Alltag immer öfter und immer wieder erlebe und wahrnehme, dass wir viel zu viel tun, was eigentlich nicht zielführend ist. Im Lean-Kontext würde man von Muda sprechen (nicht wertschöpfende, unnötige Arbeit, die nichts bringt). Wenn ich mich so umschaue, habe ich immer öfter den Eindruck, dass viele die gleiche Erkenntnis haben, aber die Strukturen in ihren Organisationen das oft vorgeben. Da fallen mir sofort die berüchtigten Vorbereitungsmeetings zur Vorbereitung des Meetings ein oder Unmengen von Dokumenten, die ausgefüllt werden müssen, aber nichts zur eigentlichen Sache beitragen und doch von irgendwelchen Unternehmensprozessen vorgegeben sind. Unsere Organisationen, unser Arbeitsalltag sind „überladen“ mit Muda. Und es wird gefühlt immer mehr statt weniger. Entmüllung ist das „Credo“, das er in seinem Buch zeichnet und das hier kurz von ihm selbst vorgestellt wird. Für mich ist genau das auch ein wesentlicher Teil der Erkenntnis aus „Monzukuri“. Die Suffizienz steigern, indem man weglässt, was nicht zum Ergebnis beiträgt. Ein Anspruch, den übrigens auch das Agile Manifest hat. Genau davon wünsche ich mir mehr.

https://t2informatik.de/blog/delete-strategie-entlastung-statt-ueberlastung/

Kaizen als Mindset | Wie in die Organisation einführen?

Eigentlich könnte man den Artikel von Tim McMahon ganz einfach zusammenfassen: Wenn du Kaizen als „Haltung“ in deiner Organisation einführen willst, dann lebe es. Mit anderen Worten: Ein Mindset, eine Wertehaltung oder besser eine ganzheitliche Arbeitsphilosophie wie Kaizen vermittelt man am besten, indem man sie selbst vorlebt und praktiziert, unmittelbar, greifbar und für alle sichtbar. An einem konkreten Problem. Dazu brauche ich Unterstützer als Sponsoren und Aktive. Gib ihnen das, was sie dafür brauchen. Und dann mit den Beteiligten leben, wie es funktioniert. Mit regelmäßigen Reflexionsrunden, konkreten Verbesserungen, die wieder auf den Prüfstand kommen. In seinem Fachartikel für das Quality Magazin hat er daraus 10 Schritte gemacht, die ich nachvollziehen kann und für sinnvoll halte. Eine gute Orientierung für einen inneren „Plan“ Mir fehlt zwar noch das Warum als wesentlicher Schritt 0. Warum im Sinne von für wen machen wir das mit welchem Ziel, um dem Ganzen eine Orientierung und Richtung zu geben (die Verbesserungs-Kata lässt grüßen 😉 ), aber kein schlechter Ansatz.

https://www.qualitymag.com/articles/98229-the-kaizen-mindset-10-steps-for-executing-a-successful-kaizen

Agile

Retrospektiven | Vermeidbare Fehler in Retrospektiven

Gute Retrospektiven sind sehr wertvoll, denn hier findet die kontinuierliche Verbesserung der Zusammenarbeit im Team statt. Und die Aufgabe von Scrum Master:innen ist es, sicherzustellen, dass der Rahmen dafür vorhanden ist, damit die Retrospektive richtig gut wird. Das ist gar nicht so einfach. Die fünf Fehler, die Simon Flossmann hier aufzählt, könnte man sicher noch um einige erweitern. Aber ich finde, dass sie schon einige Fallstricke gut umreißen. Auch bei Retrospektiven gilt oft genug: Weniger ist mehr. Weniger Methoden, weniger Problemanalyse und nur wenige, kleine Verbesserungen als Ergebnis. Ganz im Sinne von Kaizen geht es darum, evolutionäre kleine Schritte zu setzen und das gelingt oft mit einfachsten Mitteln. Ganz ohne ausgefeilte, superhippe Retrospektiven. Das ist zwar verlockend, weil man sich da als Scrum Master richtig austoben kann und klar, wenn man am Ende einen großen tollen Wurf präsentieren kann, ist das auch ein sehr beruhigendes Gefühl. Aber es geht darum, dass man das Ganze am Ende auch mit Leben füllen kann. Und da zeigt sich immer wieder, dass Veränderungen meist in kleinen Schritten gelingen.

https://www.scrum.org/resources/blog/5-fehler-mit-denen-scrum-master-die-sprint-retrospektive-unnotig-verkomplizieren

Zu viel des Guten | Wenn zu viel Transparenz zum Problem wird …

Ich bin ein Freund schonungsloser Transparenz, weiß aber auch, dass ein Zuviel an Informationen zu einem „Informationsüberfluss“ führen kann. Das richtige Maß zu finden, da hat Stephan Wolpers sicher den richtigen Nerv getroffen, ist daher ebenso wichtig. Ein gutes Hilfsmittel ist für mich übrigens die Visualisierung des „Arbeitssystems“ und seiner Informationen bzw. Informationswege mit Obeya. Hilfreich ist auch das regelmäßige Reflektieren, was mache ich hier für wen mit welchem damit verbundenen Ziel und was brauche ich dafür? Was ist sinnvoll? Was nicht?

https://www.scrum.org/resources/blog/transparency-perils-oversharing

Agil-industrieller Komplex | Selbstkritisches Hinterfragen der „agilen Industrie“

Zu den Auswüchsen des Agilitätserfolgs gehört sicherlich auch der „agil-industrielle Komplex“, wie ihn Felix C. Stein nennt. Stein nennt. Und ja, den Schmerz von Felix kenne ich nur zu gut. Gefühlt hat man den Eindruck, dass sich „Agilität“ durch beobachtbare Auswüchse ins Gegenteil verkehrt. Mit ein Grund, warum ich Monozkuri für mich wiederentdeckt habe. Da läuft einiges unrund. Und einiges davon haben wir Agilisten selbst mit verursacht. Deshalb ist die kritische Reflexion und Auseinandersetzung so wichtig. Davon würde ich mir mehr wünschen. Nicht im Sinne von „Agile ist tot“. Sondern selbstkritisches Hinterfragen, damit der Patient wieder gesund wird.

https://www.lean-agility.de/2024/09/der-agil-industrielle-komplex-ii.html

Pre-Mortem als „Werkzeug“ | Das Scheitern als Ausgangspunkt der Produktentwicklung

Irgendwie erinnert mich der Artikel an eine Idee der Stoiker (eine antike Philosophenschule). Man könnte es auch als pessimistischen Optimismus bezeichnen. Man stellt sich gedanklich die schlimmstmöglichen Szenarien vor, um auf mögliche Risiken vorbereitet zu sein, und arbeitet trotzdem auf das gewünschte Ziel hin. Durch die gedankliche Vorwegnahme von Risiken ist man besser auf Notfälle vorbereitet und hat Lösungen für Krisen im Gepäck. Dieses Prinzip lässt sich auch auf die Produktentwicklung übertragen. Das mag für manche schwer verdaulich klingen, aber es funktioniert. Ich kenne es auch aus anderen Zusammenhängen und konnte dort tatsächlich beobachten, wie Menschen und Organisationen „resilienter“ wurden. Die Antizipation hat dazu geführt, dass sie beim Eintreten von „Krisen“ gut vorbereitet, sehr reflektiert und lösungsorientiert waren. Sie wussten bereits um mögliche Fallen, die sie antizipieren konnten, bevor sie überhaupt zum Tragen kamen. Sehr lesenswert und eine gute Anregung – nicht nur für die Produktentwicklung 😉 Ich habe den Artikel sowohl in englischer als auch in deutscher Sprache gefunden. Ich verlinke beide Versionen hier.

Englischsprachig: https://www.scrum.org/resources/blog/pre-mortem-preventing-product-failure-it-strikes

Deutschsprachig: https://www.scrum.org/resources/blog/das-pre-mortem-das-scheitern-von-produkten-im-vorfeld-verhindern

Agiles Mindset | Wer es entwickeln will, fängt bei sich selbst an

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben viele das Scheitern agiler Initiativen auf das „fehlende agile Mindset“ zurückgeführt. Das ist mir persönlich zu kurz gegriffen. Werte und Ähnliches sind zweifellos ein wichtiger Faktor, aber das allein war es sicher nicht. Und nicht immer, wenn man Menschen ein Mindset abspricht, liegt es an deren Mindset. Oft liegen die strukturellen Ursachen tiefer. Deshalb ist die Mindset-Debatte aus meiner Sicht nicht zielführend. Was aber sehr wohl hilft, ist das „agile Mindset“ zu fördern und zu unterstützen. Indem wir selbst vorleben, was agiles Mindset ist: kontinuierliches Lernen und evolutionäre Weiterentwicklung. Das fängt bei uns selbst an. Ganz im Sinne von Kaizen ist jeder gefordert, sich selbst und sein unmittelbares Umfeld zu „verbessern“.

https://www.scrum.org/resources/blog/3-tipps-fur-ein-agiles-mindset-so-forderst-du-es-wissenschaftlich-fundiert-und-verbesserst-damit-die-produktivitat-im-team

Workshopformat | Toxisches Verhalten in der Kommunikation erkennen, verstehen und auflösen

Kommunikation ist das A und O, nicht nur in agilen Teams. Gute Kommunikation ist fair, transparent, offen und zugewandt. Deshalb finde ich die Idee des Workshop-Formats, das Barry Overeem hier vorstellt, auch jenseits der agilen Welt (auf die er sich konzentriert) sehr spannend. Im Workshop-Format geht es darum, toxisches Verhalten in der Kommunikation zu erkennen und zu sensibilisieren. Und nein, es geht dabei nicht um Zeigefinger. Wir alle wissen, dass wir nicht frei von Fehlern sind und dass bestimmte strukturelle Rahmenbedingungen „Fehlverhalten“ geradezu erzwingen können. Das Format scheint mir genau hier hilfreich zu sein. Wie erkennen wir die Ursachen (in der Tiefe) und wie können wir andere Lösungen implementieren. Ein schönes Workshop-Format, mit dem man sicher gut arbeiten kann.

https://medium.com/the-liberators/explore-your-teams-toxic-behaviours-and-learn-more-effective-communication-patterns-5afacd83921

5 Kommentare zu „#LINKSDERWOCHE | 35-38/2024: In eigener Sache, Produktivität, Lean und Agile

  1. Hi Tom, ich verstehe, dass Du Dir die Fragen stellst, die Du zu Beginn des „LinksderWoche 35-38/2024“ in eigener Sache stellst. Reaktionen kommen spärlich und ich fasse mir an die Nase…dennoch ich lese Deine Essenz regelmäßig und mit Gewinn. Ich fände es schade, die Gedanken nicht mehr in meiner Inbox zu haben. Im übrigen hoffe ich, Du hast Dich gut von dem Virus erholt!Viele Grüße und danke für Deine Arbeit! Conny

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    1. Vielen Dank. Ich freue mich, wenn es auch für andere einen Mehrwert bringt. Es sind weniger die fehlenden Rückmeldungen als die Frage, ob sich mein Fokus nicht allmählich verschiebt und andere Dinge für mich wichtiger werden.

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      1. Ich denke, ein neuer Fokus ist ein sehr respektabler Grund, über bewährte Dinge nachzudenken, Tom!
        Es gibt keinen Anspruch von Außenstehenden das zu beurteilen. Dennoch: Dein Gedankenblog würde fehlen.

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  2. Da blieb ich hängen: Selbstzweifel?! Ich ziehe meinen nicht vorhandenen Hut vor Dir – dieses Zusammenstellen qualitativ hochwertiger Links ist eine große Arbeit (mit leider kleinem Lohn).
    Um nicht ganz darauf verzichten zu müssen: Hast Du über eine zweiwöchentliche Erscheinungsweise nachgedacht?

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    1. Danke für das Feedback. Den zweiwöchigen Rhythmus hatte ich in der Tat schon mehrfach erwogen und auch schon durchgespielt. Mal sehen, wie sich meine Gedanken dazu entwickeln. Auf jeden Fall schadet es nie, das, was man tut, von Zeit zu Zeit zu hinterfragen. Die Welt ist in Bewegung und wir auch.

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