#LINKSDERWOCHE | 3/2024: Produktivität, Agile und Lean

PRODUKTIVITÄT

Betriebsanleitung für uns selbst | Wie wir ticken und was uns wichtig ist …

Wenn ich jemanden spontan auf der Straße frage, wer er oder sie ist – ich bin mir sicher, ich bekomme irgendeine Berufsbezeichnung als Antwort und nicht eine Beschreibung eines Menschen mit Stärken und Schwächen. In der Auseinandersetzung mit der Stoa habe ich aber gelernt, dass genau dies, die Selbstreflexion und die bewusste Wahrnehmung von uns selbst mit unseren Prinzipien, Stärken und Schwächen ein wichtiger Baustein ist, um auch in stürmischen Zeiten seinen eigenen Weg zu finden. Wenn ich dann noch an den Artikel von Anna Koschinski denke, wird mir klar, dass es auch für andere hilfreich wäre, zu wissen, wie wir wirklich ticken. Die „Gebrauchsanweisung“ zu kennen, hilft zu verstehen, was mein Gegenüber auslöst. Aber auch uns selbst hilft es zu verstehen, was uns „triggert“ und was nicht, denn wenn wir das wissen, sind wir in der jeweiligen Situation viel gelassener und können souveräner damit umgehen. Deshalb gefällt mir die Idee. Ich sollte mich tatsächlich mal hinsetzen und ein Handbuch für mich zusammenstellen 😉

https://anna-livia.de/betriebsanleitung/

Exalidraw und Obsidian | Kurze visuelle Notizen erstellen und digital speichern

Wieder einmal ist es Thomas Mathoi, bei dem ich einen spannenden Hinweis im Zusammenhang mit Obsidian entdecke. Eigentlich sind es zwei Infos, die ich mitnehme, Exalidraw habe ich selbst noch nicht auf dem Schirm und in Verbindung mit Obsidian natürlich auch noch nicht. Zusammengefasst kann man mit beiden Tools kurze digitale Skizzen festhalten und sichern. Der Artikel erklärt das Ganze etwas ausführlicher, wobei mein Namensvetter hier vom angebissenen Apfel spricht. Wie gut das Ganze mit anderen Betriebssystemen funktioniert, kann ich leider (noch) nicht beurteilen.

https://www.mathoi.at/2024/01/19/skizzen-notizen-mit-excalidraw/

PKM = Personal Knowledge Management | Eine kleine Reflexion

Und hier noch ein Blogbeitrag von Thomas Mathoi, der mir irgendwie im Gedächtnis geblieben ist. Thema ist das persönliche Wissensmanagement in Form von Notizen oder auch „Personal Knowlege Mangement“ (PKM), das zum „Productiv Knowledge Management“ wird. Eine gar nicht so leichte Herausforderung, wie ich aus eigener Erfahrung immer wieder bestätigen kann. Was habe ich nicht alles ausprobiert und bin immer noch nicht zufrieden und daher ständig am Entwickeln, Verbessern und Ausprobieren.

https://www.mathoi.at/2024/01/17/was-bedeutet-eigentlich-pkm/

Selbstüberhöhung als Gefahr | Weshalb uns demütige Selbstreflexion gut tut

Selbstbewusstsein ist gut, wenn es reflektiert und mit einer gesunden Demut verbunden ist. Wenn aus Selbstbewusstsein „Selbstherrlichkeit“ oder „Selbstüberhöhung“, ja fast schon „Narzissmus“ wird, geht der Schuss schnell nach hinten los. Das mag fast jedem einleuchten, aber leider ist es – auch als selbstreflektierter Mensch – manchmal sehr, sehr schwer zu erkennen, wann man die doch manchmal sehr feine Grenze überschritten hat. Es gibt eine Vielzahl von „Biases“, die uns hier einen Strich durch die Rechnung machen können. Das ist aber nicht das Thema des Blogbeitrags von Dan Rockwell, sondern die Folgen der Selbstüberhöhung. Ich persönlich schätze solche Beiträge, auch als Mahnung und Erinnerung, sich in Demut zu üben – was nicht immer so einfach ist, wie man denkt.

https://leadershipfreak.blog/2024/01/17/10-symptoms-of-self-importance-you-need-to-know/

Warum-Fragen | Weshalb wir sie meiden sollten

Der zweite Blogbeitrag von Dan Rockwell, den ich heute hier verlinke, ist für mich etwas ambivalent. Im Mittelpunkt steht – und das ist durchaus richtig – die Aussage, warum wir aufhören sollten, Warum-Fragen zu stellen. Bei Warum-Fragen entsteht sofort eine Art Rechtfertigungshaltung, die letztlich nicht wirklich lösungsorientiert ist und unser Gegenüber in eine Verteidigungshaltung drängt. Gleichzeitig schätze ich die „5 Why/ Wozu-Fragen“ als Werkzeug, um die Ursachen von Problemen zu erforschen. Das erklärt vielleicht, weshalb ich hier so zwiespältig bin. Ich frage daher „Wozu“ und “ Weshalb“, um die Problematik zu entschärfen, und komme damit ganz gut zurecht. Denn wenn ich „Warum“ frage, wird das oft als Angriff und nicht als Verständnisfrage verstanden. Ganz anders ist es meistens bei „Weshalb“ oder „Wozu“.

https://leadershipfreak.blog/2024/01/18/why-you-need-to-stop-why-questions/

Hilfe bekommen, bevor wir sie brauchen | Man muss das Rad nicht selbst erfinden

Und da aller guten Dinge drei sind, habe ich noch einen Blogartikel von Dan Rockwell im Gepäck. Es ist erstaunlich, wie viel der gute Mann schreibt. Ich komme selbst kaum hinterher, meine Tagesnotizen vernünftig auszuwerten und meine Tagesreflexionen in meinen Alltag zu integrieren und er spuckt am laufenden Band – wenn auch kurze – aber immer interessante Artikel aus, von denen es einige regelmäßig in die Links der Woche schaffen. So auch dieser, der sich mit dem Thema „Hilfe suchen und annehmen“ beschäftigt. Wie Rockwell sagt, suchen wir im Alltag oft erst dann Hilfe und Unterstützung, wenn es schon fast zu spät ist, anstatt uns gleich zu Beginn einer Aufgabe Unterstützung zu holen. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden, wenn man von anderen und deren Erfahrungen lernen kann.

https://leadershipfreak.blog/2024/01/19/4-ways-to-seek-help-before-you-need-it/

LEAN

Lean ist nicht gleich Lean | Über die Unterschiede zwischen der japanischen und der us-amerikanischen „Wahrnehmung“ von Lean

Ich betone immer wieder, dass ich die japanische Lean-Variante der angelsächsischen eindeutig vorziehe. Dass ich damit nicht allein bin, zeigt der Blogbeitrag von Sascha Andrawas, der die Unterschiede sehr schön aufzeigt. Gefällt mir.

https://www.andrawas-consulting.com/blog/exzellentes-lean-management-auf-dem-pfad-zur-effizienzoptimierung-und-nachhaltigen-veraenderung-in-der-organisation/

Problemlösen ins „System“ integrieren statt „Feuerwehr“-Modus

Meine These ist, dass in vielen Organisationen das systematische Problemlösen als Teil der Organisationsstruktur, der Verbesserungsmuskel, wenig ausgeprägt und unterentwickelt ist. Wenn Probleme auftauchen, verfällt man – statt in vorausschauendes Upstream-Denken – in einen Feuerwehrmodus, der die Symptome behandelt und das akute Feuer löscht, anstatt die systematischen Ursachen zu beseitigen, bevor ein Problem entstehen kann. John Knotts scheint dies ähnlich zu sehen, denn auch er spricht von einem Kulturwandel in der Organisation.

https://blog.gembaacademy.com/2024/01/19/embracing-system-level-problem-solving-over-firefighting/

AGILE

Spielerisch zu mehr Teamempathie | Weshalb gemeinsames „Spielen“ hilfreich sein kann

Spielen im beruflichen Kontext? Für viele immer noch ein Unding. Dabei zeigt die Forschung, dass „Spielen“ enorm wichtig ist und einen festen Bestandteil uralter Kulturen darstellt. Spielerisch trainieren wir Fähigkeiten für den Ernstfall, spielerisch erkunden wir Möglichkeiten und lernen. Dennoch kann ich die Skepsis vieler verstehen, denn auch bei diesem Thema wird viel Schindluder getrieben. Es hilft also, und ich glaube, das ist auch in vielen anderen Situationen extrem wichtig, den Sinn und Zweck zu vermitteln und zu erklären, was am Ende mit den Ergebnissen passiert, wenn man auf Simulationen und andere spielerische Aspekte setzt. Mehr dazu von Brigitte Hettenkofer auf t2informatik.

https://t2informatik.de/blog/gaming-empathie-team-resilienz/

Scrum Master | Wann wird es Zeit weiterzuziehen?

Es stellt sich die Frage, wann es Zeit ist, weiterzuziehen. Spätestens wenn man viele Jahre als Scrum Master:ein Team begleitet, sind die „Pfade“ so ausgetreten und die Routine so ausgeprägt, dass sich eine gewisse Betriebsblindheit und Routine einstellt, so dass es neue Impulse braucht. Das ist ein möglicher – und guter – Grund. Weniger gute Gründe, die Stefan Wolpers auch aufzählt, können sein, dass Entwicklungs- und Verbesserungsinitiativen in der Organisation nicht auf fruchtbaren Boden fallen, das Pendel in Richtung autokratisches Management ausschlägt oder gar die Rolle des Scrum Masters auf „Moderation“ und „Assistenz“ reduziert wird. Alles ist möglich und alles ist da.

Englischsprachige Version https://www.scrum.org/resources/blog/sunsetting-scrum-masters

Deutschsprachige Version https://www.scrum.org/resources/blog/warnsignale-fur-scrum-master-wenn-team-und-organisation-sich-abwenden

Fast fertig ist nicht fertig | Weshalb es keine gute Idee ist, unfertige Inkremente in die Velocity einzubeziehen

Eigentlich ist der Scrum-Guide sehr eindeutig. Ausgeliefert wird nur, was wirklich potentiell auslieferbar ist, weil es „voll nutzbar“ und damit „wertvoll“ ist. Entsprechend zählt auch nur das wirklich in der Velocity. Alles, was noch nicht fertig ist, zählt nicht. Das ist eigentlich auch logisch. Wir wollen als Team über die Velocity nachvollziehen, wie viele fertige „Inkremente“ wir in einem durchschnittlichen Sprint liefern können, die einen potentiellen Mehrwert generieren und ob wir diese Lieferfähigkeit dauerhaft etablieren können. Wichtig, die Velocity ist eine Metrik vom Team für das Team und sagt nur etwas über den Durchsatz aus, nicht über den gelieferten Mehrwert. Wenn wir „fast fertig“ mit einbeziehen, ist das keine gute Idee, wie Mike Cohn hier deutlich macht:

https://www.mountaingoatsoftware.com/blog/dont-take-partial-credit-for-semi-finished-stories

Kanban | Mit Kanban erkunden, entwickeln und liefern

Es ist ein offenes Geheimnis – ich bin ein großer Kanban-Fan 😉 Ja, es muss nicht immer Scrum sein und leider ist zu beobachten, dass Kanban auf die rein visuelle Darstellung eines Arbeitsprozesses reduziert wird. Dabei steckt viel mehr dahinter und es lässt sich – auch in Kombination mit Scrum – sehr gut in der Entwicklungsarbeit einsetzen. Der Artikel von John Coleman gibt zumindest einen groben Überblick, was mit Kanban in den Bereichen „Exploration“ und „Delivery“, aber auch in der „Development“ alles möglich ist.

https://www.scrum.org/resources/blog/how-manage-discovery-and-delivery-work-kanban-board

Agile Zertifizierungen | Zertifizierung, Zertfizierung, Zerifizierung - von der Wiege bis zur Bahre

Das Thema der agilen Zertifizierungen ist – zumindest in meinen Augen – ein sehr ambivalentes Thema. Wir haben mittlerweile eine regelrechte Zertifizierungsindustrie und fast schon einen „Zertifikatswahn“, der teilweise Stilblüten treibt, die – ich sage es ganz offen – sehr fragwürdig werden können. Bei allem Verständnis dafür, dass für eine Ausbildung auch ein Nachweis erbracht werden muss, ersetzt eine Zertifizierung weder die Erfahrung noch die langjährige intensive Beschäftigung mit einem Thema. Bei – vermutlich noch nicht einmal vollständigen – 300 Zertifizierungen, die Felix Stein zusammengetragen hat, drängt sich ohnehin der Verdacht auf, dass es nicht immer um Qualität und „Ausbildung“ geht. Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass ein zweitägiges Zertifikat viel mehr zählt als eine mehrjährige Ausbildung Aber wo Licht ist, ist immer auch Schatten. So auch, hier.

https://www.lean-agility.de/2024/01/300-agile-zertifizierungen.html

Ein Kommentar zu „#LINKSDERWOCHE | 3/2024: Produktivität, Agile und Lean

  1. Vielleicht würde es schon reichen, wenn wir alle mal so eine Betriebsanleitung schreiben würden, einfach nur, um es mal formuliert zu haben. Könnte mir vorstellen, dass man dann auch in schwierigen Situationen besser verhandeln kann, wie es zukünftig besser gehen kann. Die Kurzfassung aber auch öffentlich zu machen, finde ich gar nicht verkehrt – zumindest wenn man eng und längerfristig mit Menschen arbeiten will… Danke fürs Teilen!

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