#LINKSDERWOCHE | 43/2026: Produktivität, Lean, Agile, Leadership und Management

PRODUKTIVITÄT

Klugscheißer-Beißreflex | Manchmal wäre es sinnvoller sich zurückzunehmen

Houssam Hamade wird mit seiner Überschrift sicherlich den einen oder anderen im ersten Moment abschrecken, der eine politische Botschaft dahinter vermutet. Es lohnt sich dennoch, einen Blick darauf zu werfen. Dahinter steckt nämlich eine wirklich interessante Reflexion. Es geht um einen Reflex, den – wenn wir ehrlich sind – viele von uns kennen. Ich nehme mich da nicht aus, obwohl ich es als alter Lean-Freak und überzeugter Agilist eigentlich hätte wissen sollen. Wenn man in diesem Zusammenhang „Links“ mit „progressiv“ ersetzt, würde der Artikel sicherlich auch deutlich mehr Menschen ansprechen. Aber gut, der Autor hat eine bestimmte Zielgruppe vor Augen, die ich persönlich breiter gefasst hätte. Konservative moralisieren mindestens genauso gerne wie progressive Mitmenschen und schießen exakt genauso über das Ziel hinaus. Manchmal ist es hilfreicher, sich selbst zurückzunehmen und seinen – ich nenne es manchmal – moralischen Beißreflex zu zügeln und sich daran zu erinnern, dass es durchaus unterschiedliche Blickwinkel auf ein Thema geben kann. Das ist übrigens hilfreich, um bei komplexen Fragestellungen gute Lösungen zu entwickeln. Man verzeihe mir daher, wenn ich an dieser Stelle einen etwas „ideologisch“ eingefärbten Artikel verlinke 😉

https://houssamhamade.net/2026/11/01/wir-linken-klugscheisser/

Fehler vermeiden, bevor sie entstehen | Die geistigen Vowegnahme von Fehlern verhindert ihr entstehen

Ich bin ein Fan des Upstream-Denkes. Leider ist es gar nicht so einfach, es mit Leben zu füllen. Die Realität ist komplex, was bedeutet, dass wir vieles erst im Nachgang genau wissen. Dennoch kann man – da bin ich bei Dan Rockwell – das eine oder andere schon allein deshalb vermeiden, weil man sich, ganz in der Tradition der Stoiker übrigens, vorab überlegt, was schiefgehen kann, und entsprechende Strategien und Taktiken bereitlegt, um genau diese Dinge zu vermeiden. Kleiner Tipp von mir: Denken in Systemen kann hierbei sehr hilfreich sein.

https://leadershipfreak.blog/2026/10/27/avoid-failure-by-imagining-it/

Gelingen | Achtsamkeit trägt zum Gelingen bei

Bei Marc Widmann ist der Kontext eindeutig auf Projektarbeit bezogen. Ich würde das Thema allerdings weiter fassen. Etwas mehr Achtsamkeit im Beruf oder bei anderen Formen der Arbeit ist nicht nur eine Frage der Höflichkeit, sondern trägt auch dazu bei, dass die Dinge besser gelingen. „Respekt vor den Menschen” ist nicht ohne Grund ein fester Grundsatz des Toyota Production Systems. Leider wird genau dieser Zusammenhang in meinen Augen viel zu oft von „Effizienzneurotikern” vorschnell der vermeintlichen Effizienz geopfert. Wenn ich mich in meinem Umfeld umsehe, habe ich die Befürchtung, dass wir uns dessen wieder dringend mehr bewusst werden müssen. Und das nicht nur in der Projektarbeit.

https://marc-widmann.de/achtsamkeit-im-projektteam

Ursachenforschung | Das Sichtbare ist oft nicht immer die Urache

Die Ursachen sind oft tiefer verborgen, als uns bewusst ist. Was offensichtlich scheint, ist oft nur ein Indikator, aber nicht die Wurzel des Problems. Das gilt auch im Zeitmanagement, wie Ivan Blatter in der folgenden Podcastfolge sehr gut herausarbeitet. Ein genauerer Blick lohnt sich, denn wenn wir nur oberflächlich auf die Ursachen schauen, beseitigen wir das eigentliche Problem nicht und unser „Unwohlsein” wird nicht behoben.

https://share.transistor.fm/s/dc8380d1

LEAN

Ursachenforschung | Fokus auf das Symptome versperrt Blick auf Ursache

In einer schönen Geschichte aus seinem Alltag, in der eine zerbrochene Scheibe und ein Waschbär als ungebetener Gast vorkommen, erklärt Ron Pereira, weshalb es wichtig ist, sich an den Ort des Geschehens zu begeben. Man darf nicht in die Falle tappen, sich mit vermeintlich offensichtlichen Problemursachen zu beschäftigen, sondern muss tiefer nach den Ursachen bohren. Besser kann man das Upstream-Denken und Ansätze wie „5 Why” nicht vermitteln. Hätte er sich in seiner Geschichte auf den Waschbär als Ruhestörer konzentriert, hätte er das eigentliche Problem, das kaputte Fenster, nicht gelöst und relativ schnell wieder einen ungebetenen Besucher in seiner Scheune gehabt. Daher beim nächsten Mal daran denken, dass das, was wir offenkundig sehen, nur die Wirkung, aber nicht unbedingt die eigentliche Ursache ist.

https://blog.gembaacademy.com/2026/10/28/stop-chasing-racoons/

Kaizen | Verbesserungen nachhaltige umsetzen

Kaizen im Sinne des beständigen Strebens nach dem Besseren fasziniert mich immer wieder und lässt mich einfach nicht los. Mittlerweile habe ich genug Lebenserfahrung gesammelt, um zu wissen, dass es weder „solo” noch im Team oder in der Organisation einfach ist, Kaizen mit Leben zu füllen. Es kann einiges schiefgehen. Gerade wenn es darum geht, Verbesserungen umzusetzen. Beim Lesen von Alen Ganics Buch zu diesem Thema musste ich daher nicht nur mehrfach schmunzeln und zustimmend nicken, sondern habe auch meine eigenen Erfahrungen wiedererkannt. Kaizen mit Leben zu füllen, ist in der Tat nicht einfach, auch wenn es mit wenigen Hilfsmitteln umsetzbar ist. Der Rahmen muss stimmen.

https://blog.gembaacademy.com/2026/10/26/sustain-kaizen-improvements/

AGILE

Scrum | 10 gute Gründe für Scrum

Wenn es darum geht, explorativ neue Themen im Team zu entwickeln, ist Scrum nach wie vor meine erste Wahl – obwohl ich mindestens genauso großer Fan von Kanban bin. Beides lässt sich gut kombinieren. Es wird richtig super, wenn dann noch Obeya als visuelles Management dazukommt und ich noch ein paar Ideen aus der Lean-Welt mitbringen darf. Der perfekte Arbeitsrahmen. 😉 Das gilt auch im „KI-Zeitalter”, auch wenn es Menschen gibt, die das anders sehen. Insofern kann ich Mary Iqbal und ihren elf Gründen für Scrum gut folgen, jeden einzelnen nachvollziehen und unterstützen.

https://www.scrum.org/resources/blog/10-reasons-why-i-love-scrum

Scrum Master | Beobachtungen aufschreiben

Oh, das erinnert mich an meine Anfangszeiten. Okay, ich mache es heute immer noch. Ich schreibe meine Beobachtungen auf. Das kann ich jedem empfehlen, auch wenn er oder sie in einem anderen Kontext unterwegs ist. Je nach Projekt gehört es für mich sogar zum guten Ton, am Ende jedes Sprints einen kurzen Entwicklungsbericht zu erstellen, der dem gesamten Team zugänglich ist. Daran lässt sich die Entwicklung des Teams wunderbar ablesen. Auch wenn Mehdi Hoseini besonders „Newbies” im Visier hat, lohnt es sich, auch den „alten Hasen” noch einmal vor Augen zu führen, wie die strukturierte Erfassung unserer Beobachtungen bei der täglichen Reflexion hilft.

https://www.scrum.org/resources/blog/write-observation-report

Klarheit | Erst Klarheit, dann Geschwindigkeit

Der Blogartikel von Christoph Schmiedinger erinnert mich an ein Thema, das mir auch immer wieder über den Weg läuft. Wenn ich mich umschaue, habe ich erstaunlich oft den Eindruck, dass Geschwindigkeit das Maß aller Dinge ist. Ich wiederhole mich gerne: Schneller und mehr bedeutet nicht automatisch mehr Wirkung und Wirksamkeit. Man kann hoch effizient in die falsche Richtung fahren. Es bleibt die falsche Richtung. Zunächst braucht es Klarheit darüber, was wirklich erreicht werden soll. Mir fallen da die 14 Prinzipien des Toyota Way ein, von denen gleich mehrere sehr gut zu diesem Thema passen. Aber lest selbst (nicht nur diesen Beitrag, sondern den gesamten Toyota Way – es lohnt sich).

https://t2informatik.de/blog/klarheit-tempo-wirkung-reihenfolge-zaehlt/

LEADERSHIP UND MANAGEMENT

Delegieren | Mit den richtigen Fragen gelingt es besser

Gregor Karlinger greift das Thema „Delegation” auf. Ein Klassiker, der mir in der Praxis immer wieder begegnet und sich in vielen Kontexten wiederfindet. Selbst in selbstorganisierten Teams braucht es einen klar umrissenen Auftrag in Form einer Delegation. Delegation steckt in der Auftragsklärung, in der Definition eines Projektrahmens für ein Team und findet sich – ganz klassisch – in der Aufgabendelegation wieder. Die im Artikel genutzten sechs Fragen begegnen mir daher in unterschiedlichen Abwandlungen durchaus im genannten Kontext. Ich finde sie persönlich sehr hilfreich, um den jeweiligen Handlungsrahmen abzustecken. Vereinfacht ausgedrückt: Für wen machen wir etwas, mit welchem Ziel und was brauchen wir dafür? Eine meiner Lieblingsfragen in der Arbeit mit Teams spiegelt sich ebenfalls darin wider. Gute Delegation schafft Klarheit für alle Beteiligten – für den Delegierenden und den Delegierten. 😉

https://transferio.at/formate-werkzeuge/delegation-verantwortung-wirksam-uebertragen/

Fordern und fördern | Schlechte Leistung nicht belohnen

Ich bin der festen Meinung, dass gute Führung fördern und fordern bedeutet – im Sinne von Entwicklung ermöglichen. Dazu gehört auch, kritische Dinge wie schlechte Leistungen offen anzusprechen. Damit meine ich jedoch nicht, jemanden, der einen Fehler gemacht hat oder einfach nur einen schlechten Tag hatte, in den Senkel zu stellen. Niemand ist frei von Fehlern. Es gehört aber auch dazu, unangenehme Dinge offen anzusprechen und nicht einfach darüber hinwegzugehen. Gute Führung ist kein Wohlfühlmanagement, bei dem alles in Watte gepackt wird. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig kritisch-konstruktive Rückmeldungen sein können, auch wenn sie nicht immer Spaß machen. Dazu passt der folgende Beitrag von Dan Rockwell, den ich daher gerne hier verlinke:

https://leadershipfreak.blog/2026/10/29/stop-encouraging-poor-performance/

Systemarbeit | Wer am System arbeitet entlastet

Der Blogartikel von Hendrik Epe richtet sich in erster Linie an Führungskräfte in der Sozialwirtschaft, lässt sich aber auch auf viele andere Bereiche übertragen. Zentral ist, dass er sehr gut verdeutlicht, weshalb gute Führung Arbeit am System bedeutet und die Gestaltung des Systems als Handlungsrahmen echte Führungsarbeit ist, die letztlich auch die Führung entlastet. Wir brauchen keine Superhelden als Führungskräfte, die sich aufopfern, sondern Führungskräfte, die einen Arbeitsrahmen und ein Arbeitssystem schaffen, das Zusammenarbeit auch in schwierigen Situationen ermöglicht.

https://www.ideequadrat.org/ressourcenschonende-fuehrung/

Ein Kommentar zu „#LINKSDERWOCHE | 43/2026: Produktivität, Lean, Agile, Leadership und Management“

  1. Vielen Dank für die Sammlung! Sind wieder ein paar spannende Links mit dabei. ☺️

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