
Das Ziel gibt die Richtung vor und mit dem Zielergebnis kann ich die Wirkung überprüfen. Ein Ziel ohne Wirkungsüberprüfung ist in meinen Augen „Verschwendung”. Das Problem ist, dass die Wirksamkeitsüberprüfung oft gar nicht oder nur halbherzig stattfindet. Insbesondere, wenn die Zielerreichung an monetäre Anreize gekoppelt wird. Ich denke dabei insbesondere an Managementboni. Die meisten sind an vermeintlich betriebswirtschaftliche Kennzahlen gekoppelt. Ziel erreicht, Bonus fließt. Die Wirkung und ihre Folgen? Egal.
Das System belohnt das engstirnige Fokussieren auf das Erreichen einer Kennzahl, aber nicht den Blick auf die Wirkung – und erst recht nicht die Reflexion der Wirksamkeit. Ich meine auch, dass der Fehler bereits in der Definition des Ziels liegt, weil hier die erhoffte Wirkung oder Wirksamkeit nicht wirklich kritisch hinterfragt und definiert wird. Der Fokus ist verengt. Er ist verengt auf Zielerreichung. Nicht auf die Wirkung. Es fehlen Reflexionsschleifen, die eine Anpassung erlauben. Es fehlt das Hinterfragen und Überprüfen der Zielsetzung hinsichtlich ihrer Wirkung.
Was hatte ich damals gehofft, dass die Balanced Scorecard die Lösung für das Problem sein würde. Das ist lange her. Es war ein Flop. Es hat sich nichts verändert. Irgendwann kamen dann die Objectives and Key Results auf. Auch da hatte ich die Hoffnung, dass sich etwas verändern würde. Doch ich bin ernüchtert. Klar, viele haben die „Methodik” eingeführt. Man hat jetzt OKRs. Aber zu oft ist es auch nur Managementtheater. Und es ist zusätzlicher „bürokratischer Ballast”, weil es eben „obendrauf” gesattelt statt wirklich integriert wurde. Und jetzt, wo es an allen Ecken und Enden kriselt, verfallen sie ohnehin wieder in ihre alten Muster, weil sie im reaktiven Modus sind. Ich bin von der Methodik mittlerweile sehr ernüchtert. Ich neige eher dazu, es einfacher zu halten, und orientiere mich lieber an der Verbesserungskata als Rahmenmodell.
Bitte nicht falsch verstehen. Ich halte Ziele für wichtig. Gute Ziele geben Richtung vor und dienen als Referenz, ähnlich einem Kompass, der bei Entscheidungen hilft. Es macht allerdings keinen Sinn, Ziele nicht auf ihre Effektivität und Effizienz zu überprüfen. Die Wirksamkeit ist schließlich der Maßstab, mit dem sich Effektivität und Effizienz bestimmen lassen. Das Hinterfragen der Wirksamkeit ist jedoch anstrengend. Es braucht regelmäßige Reflexionsschleifen, die auch in Anpassungen münden. Dabei müssen wir uns immer wieder die Frage stellen, weshalb wir etwas für wen mit welchem Ziel tun. Wer stur nur auf „Schulterklopfmetriken” starrt, ohne die Wirksamkeit zu hinterfragen, sollte sich nicht wundern, wenn es eines Tages richtig knallt.