Produktivität
Tagesplanung | Keine ist ungesund, zu viel ebenso
Über den Sinn der täglichen Planung streiten sich die Geister. Meine persönliche Erkenntnis: Zu viel Planung ist genauso „Muda“ wie gar keine Planung. Ich habe beides schon erlebt. Meine Versuche, den Tag bis ins Detail zu planen, sind alle gescheitert. Zu viele Dinge kommen ungeplant um die Ecke oder es läuft nicht wie geplant. Aber ohne Planung schlendere ich ziellos durch den Tag, was ich gerne an einem Sonntag mache, wenn ich weiß, dass es nicht um viel geht. Aber auch da weiß ich, dass es abends wieder Zeit für die Links der Woche ist. Mein Arbeitstag beginnt also mit einem kurzen Überblick über den Kalender, einer kurzen Festlegung der 2-3 Fokusthemen des Tages und dann geht es los. Außerdem verschaffe ich mir am Ende der Woche immer einen Überblick, was in der nächsten Woche ansteht und schaue, welche 3 Fokusthemen in dieser Woche relevant sind. Das ist meine persönliche Art zu arbeiten. Sie ist nicht ganz so strukturiert wie bei Thomas Mathoi, zumindest was das Festhalten der Planung betrifft, und ich benutze dafür derzeit (leider) nicht Obsidian (derzeit nur Privatvergnügen), da ich die Software auf meinem Projektrechner nicht benutzen darf. Ansonsten erinnert meine Vorgehensweise ein wenig an Lee Ivy und die 18 Minuten Regel von Bregmann. Zeitaufwand für die Planung pro Tag, tatsächlich ca. fünf Minuten, dazu etwa stündlich Inhalte (nicht ganz so konsequent) und ca. fünf Minuten Tagesreflexion am Ende des Tages. Und das funktioniert ganz gut. Die Hauptherausforderung ist eigentlich, den Überblick und den Fokus zu behalten bzw. sich damit abzufinden, dass ich meine To-Do-Liste trotz aller Bemühungen nie ganz abarbeiten kann, weil immer mehr auf mich zukommt, als ich abarbeiten kann. Man entdeckt einfach zu viel auf dem Weg 😉 Wie eingangs erwähnt, ist zu viel „unnötig“ und zu wenig „schädlich“. Insofern stimme ich Thomas Mathoi zu, ohne (minimale) Tagesplanung sind wir Spielball anderer. Eine gute, knackige Tagesplanung hilft, souverän mit den eigenen Kräften umzugehen. Auch in stürmischen Zeiten.
https://www.mathoi.at/2024/07/05/vom-sinn-und-unsinn-der-tagesplanung/
Neudenken des Feierns | Feiern bedeutet Würdigen
Feiern im Sinne einer großen Tanzparty ist nicht mein Ding. Ich persönlich ziehe die „Kneipenatmosphäre“ und den kleineren Kreis vor. Und doch glaube ich, dass das bewusste Feiern von Erfolgen, das Würdigen von erreichten Zielen und guten Ergebnissen etwas Sinnvolles ist. So wie es Dan Rockwell hier so schön beschreibt: Feiern ist Anerkennung und es ist ein Signal, dass etwas wichtig ist. Letztlich trägt es auch dazu bei, die Kultur der Anerkennung und WERTSCHÄTZUNG zu festigen. Und genau diese Wertschätzung habe ich in der Vergangenheit oft vermisst. Es ist nicht selbstverständlich, gut zusammenzuarbeiten, gute Ergebnisse zu erzielen und immer wieder zu überlegen, was und wie man etwas besser machen kann. Das ist etwas Besonderes, das wir mehr wertschätzen sollten.
https://leadershipfreak.blog/2024/07/03/rethinking-celebrations-party-like-it-matters/
Homeoffice oder Büro | Über die aktuelle Diskussion
Am Diskussionsbeitrag von Marcus Raitner gefällt mir, dass er hier sehr unaufgeregt an das Thema herangeht. Ja, das reine Homeoffice hat seine Nachteile. Aber das „Großraumbüro“ ist genauso wenig ein Ort der Produktivität. Und wie er am Ende seines Artikels treffend feststellt: „Es muss sich lohnen, ins Büro zu kommen, dann kommen die Mitarbeiter auch“. Mit anderen Worten: Wer will, dass die Menschen wieder mehr ins Büro gehen, der muss auch einen Mehrwert bieten, der dazu führt, dass die Menschen gerne wieder ins Büro gehen. Allein die hierarchische Ordnung, weil jemand glaubt, die Kontrolle über die Mitarbeitenden zu verlieren, ist ein Armutszeugnis und spricht nicht für das „Management“. Ich schätze die Mischung aus Homeoffice und Präsenz, bei der situativ entschieden wird, was gerade förderlich ist, und dem Einzelnen die Freiheit gelassen wird, zu entscheiden, was der bessere Weg ist. Auch wenn es ein Problem der „Privilegierten“ ist (nämlich derer, für die Telearbeit möglich ist), sollte es nicht auf Zwang beruhen, sondern auf gesundem Menschenverstand und Vertrauen in erwachsene und verantwortungsbewusste Mitmenschen, die selbst entscheiden können, wann es sinnvoll ist und wann nicht. Sich ab und zu im Büro zu treffen, ist für das soziale Gefüge durchaus sinnvoll, und genau diesen Effekt vermisse ich bei zu viel Telearbeit, aber ich möchte nicht ständig im Großraumbüro arbeiten müssen, wo der Lärmpegel ein konzentriertes Arbeiten erschwert, oder gar jeden Tag stundenlang in unzuverlässigen öffentlichen Verkehrsmitteln sitzen oder mehrere Tage in der Woche im Hotel übernachten müssen. Die gesunde Mischung und das Vertrauen machen den Unterschied.
https://raitner.de/2024/07/lagerschaden-im-sozialen-getriebe/
Selfcare | Selbstführung beginnt mit Selbstpflege
Auch wenn sich Janine Tychsen in ihrem Beitrag auf Führungskräfte konzentriert, finde ich den Beitrag auch für Nicht-Führungskräfte spannend. Wir sind eigenverantwortliche, mündige Menschen und damit auch für unsere „Selbstführung“ verantwortlich. Denn nur wer sich selbst führen kann, ist auch in der Lage, andere zu führen. Und zur Selbstführung gehört die Selbstfürsorge. Das klingt immer ganz einfach, ist es aber oft nicht. Ich merke gerade selbst, wie der Spagat zwischen Beruf, Familie, Ehrenamt und meinen vielfältigen Interessen immer herausfordernder wird, ich an meine Grenzen stoße und gezwungen bin, meine Prioritäten neu zu setzen. Das ist nicht einfach. Und deshalb ist es wichtig, dass ich auch innehalte und mir bewusst Grenzen setze, um mir die Zeit zu geben, die ich brauche, um mein „Energielevel“ zu halten. Auch wenn ich dafür das eine oder andere Thema, das mir am Herzen liegt, zurückstellen muss.
https://t2informatik.de/blog/fuehrungsqualitaet-nummer-1-self-care/
Projektmanagement
Scheiternde Projekte | Was sind die Gründe?
Die Liste der Gründe für das Scheitern von Projekten, die hier von Andrea Windolph vorgestellt wird, ist wenig überraschend. Es sind die bekannten Ursachen. Unabhängig davon, ob man den klassischen Weg geht oder agil arbeitet. Um es mit den Worten eines klugen Kopfes zu sagen, den ich vor Jahren kennen gelernt habe: Gutes Projektmanagement ist in erster Linie gute, wertschätzende Kommunikation mit allen Beteiligten mit einem effektiven Erwartungsmanagement.
https://projekte-leicht-gemacht.de/blog/projektmanagement-praxis/projekte-scheitern-gruende/
Lean
Standards | Wie Standards funktionieren und wo sie Grenzen haben
Standards sind ein zentrales Element von Lean. Standards sind reproduzierbare Erfolgsbedingungen. Die Herausforderung ist, dass in einer komplexen Welt nicht alles, was uns begegnet, „reproduzierbar“ ist. Hier stoßen Standards manchmal an ihre Grenzen, dennoch halte ich sie für wertvoll. Im Sinne von gut bestätigten Hypothesen helfen sie uns, Abweichungen zu erkennen und unsere Hypothesen zu aktualisieren. Standards helfen, Abweichungen zu erkennen, die Verbesserungen ermöglichen. Götz Müller zeigt hier in groben Zügen, wozu Standards geeignet sind, um am Ende zu dem Schluss zu kommen, dass Standards auch ihre Grenzen haben.
https://leanbase.de/publishing/post/upam3-wo-standards-im-lean-an-ihre-grenzen-stossen
Andon | Ein paar Missverständnisse aufgeklärt
Andon ist ein Prinzip aus dem Lean-Kontext, das ich sehr spannend finde. Durch visuelle Signale sichtbar machen, dass es ein Problem gibt. Im Wissensmanagement in Form eines Kanban-Boards wäre das der berühmte „Blocker“ auf einem Ticket. Hier zeigt der Autor einige Missverständnisse auf. So wird z.B. nicht das gesamte Band angehalten, sondern maximal ein Teilbereich. Strategische Puffer sorgen dafür, dass die Gesamtlinie nicht beeinträchtigt wird. Womit wieder deutlich wird, dass eine lokale Optimierung ohne das große Ganze im Auge zu behalten, kontraproduktiv ist – dies nur am Rande.
Agile
Sprint Review | Anti-Pattern, die ein klares Indiz für Verbesserungsbedarf sind
Seit 2008 beschäftige ich mich mit Agilität und damit unter anderem mit Scrum und Kanban. Man sieht und erlebt viel. Das gilt auch für Sprint Reviews. Und nicht immer war und ist alles gut. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein wirklich gutes Sprint Review für alle Beteiligten gut investierte Zeit ist und dass die Beteiligten gerne zu einem Sprint Review gehen. Das Problem ist, dass immer mehr Sprint Reviews, die ich erlebe, reine Folienschlachten sind, in denen ein Team schnell und kurz präsentiert, was es gemacht hat. Kaum Raum, um wirklich auszuprobieren und tiefer zu diskutieren, wie gut die Qualität des Arbeitsergebnisses aus Sicht des Anwenders ist und welche Auswirkungen es auf andere Stakeholder (es gibt ja auch Lieferanten und Schnittstellen zu anderen Stakeholdern) haben kann. Diese Interaktion fehlt völlig. Und wenn ich an Anit-Pattern Nr. 5 von Simon Flossmann denke, ja auch das erlebe ich immer öfter, den Sprint Review als einen von vielen zusätzlichen Terminen, neben Lenkungsgruppen- und Strategiemeetings, die zusätzlich abgehalten werden, anstatt genau diese Fragen in den Sprint Review zu integrieren (wo viele der dort besprochenen Themen behandelt werden könnten). Wen wundert es dann, dass so viele beim Thema Scrum verzweifelt an zusätzliche Meetings denken, wenn bestehende „Austauschrunden“ nicht integriert, sondern beibehalten werden. Übrigens auch ein Knackpunkt bei OKR-Implementierungen, die dann zusätzliche Meetingrunden erzwingen, statt sie in bestehende Strukturen zu integrieren. Auch das ist nicht gesund.
Sprint Review | Wie wir effektivere Sprint Reviews erreichen können
Und weil wir gerade über Sprint Reviews gesprochen haben, noch ein Beitrag, der sich ebenfalls mit Sprint Reviews in Scrum Teams beschäftigt. David Spinks gibt Impulse, wie man diese effektiver gestalten kann. Einige seiner Tipps sind sehr hilfreich, um die Interaktivität zu fördern. Allein die Frage zu stellen, für wen mache ich das Sprint Review und zu welchem Zweck (5S im Kopf) kann Wunder wirken, weil man dann sehr schnell merkt, wer die richtigen Leute für das Sprint Review sind. Achtung, kleiner Tipp, das sind nicht immer die „großen Köpfe“ oder „nur“ die „Anwender“. Auch Lieferanten und „Schnittstellen“ mit einbeziehen, denn auch hier gibt es immer wieder gute Ideen. Es geht darum, nutzbringende Rückmeldungen zu generieren, die uns helfen, besser zu verstehen, was wir bauen und was es bewirkt. Und wie der Autor treffend schreibt, mit interaktiven Elementen kann Moderation auch helfen, dass Leben in den Review kommt. Hier schlägt er einige Techniken und Ansätze vor, leider ohne sie zu vertiefen.
https://www.scrum.org/resources/blog/facilitating-effective-sprint-reviews
Scrum Master | Wie die Rolle des Scrum Masters Einfluss und Wirkung entfaltet
Woran merkt man, dass der/die Scrum Master:in einen guten Einfluss hat? Der Fokus der Rolle liegt darin, Produktivitätshindernisse zu beseitigen und alle Beteiligten in die Lage zu versetzen, produktiv, d.h. effektiv und effizient miteinander an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten. Dementsprechend geht es zunächst darum, zu identifizieren, was die Hindernisse sein könnten und diese dann nach Priorität zu beseitigen. Dabei arbeiten wir selbst in dieser Rolle mit empirisch überprüfbaren Arbeitshypothesen, die wir ständig weiterentwickeln und aus denen wir lernen. Im Beitrag von Mark Wavle als „4 Steps to Supercharge Scrum Master Impact“ überschrieben. Das ist für mich eigentlich der Kern der Arbeitsweise des Roll Scrum Masters. Es geht nicht darum, eine Wohlfühloase für Teams zu schaffen, sondern ein Scrum Team und sein Umfeld zu befähigen und zu unterstützen, effektiv und letztlich effizient zu guten Ergebnissen zu kommen, die einen Mehrwert generieren. Und da dieses Zusammenspiel in der Regel alles andere als einfach ist, bedeutet das, langsam und Schritt für Schritt diese Zusammenarbeit aller Beteiligten zu unterstützen und zu begleiten. Immer mit dem Ziel, gute und wertschöpfende Ergebnisse zu erzielen.
https://www.scrum.org/resources/blog/4-steps-supercharge-scrum-master-impact
Liberating Structures | Community-Arbeit mit Liberating Structures
Ich bin seit meiner Studienzeit – zumindest erinnere ich mich daran – ein Fan von deliberativen und partizipativen Ansätzen, wenn es darum geht, Lösungen zu entwickeln. Sei es im bürgerschaftlichen Kontext oder im unternehmerischen Umfeld. Deshalb schätze ich die Liberating Structures als hilfreiche Ansätze sehr. Drei davon hat Simon Flossmann im folgenden Beitrag vorgestellt, um zu zeigen, wie man mit ihnen Lebendigkeit in einer Community of Practice erzeugen kann. Was mich daran erinnert, dass ich in meinem aktuellen Projekt wieder öfter in diese wunderbare „Zauberkiste“ der Liberating Structures greifen könnte, um das eine oder andere Thema zu bearbeiten, das sich abzeichnet.
Leadership
Collective Leadership | Ein Konzept mit Tücken
Eine kleine Empfehlung aus dem Blog von Gunnar Sohn. Ich lese ihn immer wieder gerne, auch wenn ich ihn in letzter Zeit etwas aus den Augen verloren habe. Seine Blogbeiträge haben es in sich, wie ich finde und liefern immer wieder spannende und fundierte Sichtweisen. Hier zeigt er auf, dass das Konzept „Collective Leadership“ zwar verlockend klingt, aber auch seine Schwächen hat.