#LINKSDERWOCHE 4/2025: Produktivität, Lean, Agile, Management und Leadership

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PRODUKTIVITÄT

Verlernen: Muster verlernen, neue Muster erlernen

Wir sind das Ergebnis dessen, was wir an Erfahrungen und Wissen gesammelt haben. Ganz im Sinne begrenzt-rationaler Individuen orientieren wir uns daher an dem, was wir kennen. Das ist auch gut nachvollziehbar. Allerdings hat das einen Haken. Wir laufen Gefahr, im eigenen Saft zu schmoren und Ideen zu verwerfen. Die Herausforderung, aus diesen Mustern auszubrechen und Dinge zu „verlernen”, um Neues zu erlernen, ist nicht ohne. Das merke ich an mir selbst immer wieder. Das Denken in Lösungen statt in Problemen kann dabei helfen, aus dem Muster auszubrechen. Damit trifft Dan Rockwell sicherlich einen Punkt, den der eine oder andere kennt. Daneben benennt er noch weitere Punkte, die dabei helfen können, uns immer wieder selbst zu hinterfragen und auch Dinge wieder zu verlernen.

https://leadershipfreak.blog/2026/01/21/average-ideas-are-dangerous/

Zettelkasten | Qualitätsmetriken für den digitalen Zettelkasten in Obsidian

In einem digitalen Zettelkasten, insbesondere in Obsidian, hat man sicherlich mehr Möglichkeiten, die Qualität der Vernetzung von Notizen zu messen. Ganz so, wie Thomas Mathoi es hier aufzeigt. Ich habe es nicht probiert und habe auch nicht vor, es zu tun. Mir ist das nicht so wichtig, da sich das für mich aus der praktischen Anwendung ergibt. Bekomme ich gute Ergebnisse? Dann ist alles gut. Wenn nicht, dann stimmt etwas nicht. Das ist allerdings eine Frage der persönlichen Gewohnheiten, des situativen Kontexts und des persönlichen Bedarfs. Daher bin ich mir sicher, dass der eine oder andere unter den hier Mitlesenden (es müssen mindestens zwei oder drei sein) Interesse daran hat, wie sich die Qualität der Vernetzung von Notizen im digitalen Zettelkasten messen lässt. Zumindest, wenn man Obsidian nutzt.

https://www.mathoi.at/2026/01/21/qualitaet-im-digitalen-zettelkasten-messen/

Einfach nur Browser | Ein Skript, dass Browser entschlacken will

Im Googlewatchblog bin ich auf einen Hinweis gestoßen, der sicherlich den einen oder anderen von euch interessieren könnte. Es gibt wohl die Möglichkeit, KI und Co. aus dem Browser zu verbannen. Das Ganze nennt sich „Just a Browser”. Ich traue mich allerdings selbst nicht ran, weil ich dazu ein Skript ausführen muss. Zunächst möchte ich Menschen fragen, die etwas von Softwareentwicklung verstehen, ob ich mir damit irgendetwas einfange. Dennoch werde ich es beobachten, da ich zunehmend den Eindruck habe, dass Browser immer mehr mit Dingen vollgepumpt werden, die kein Mensch braucht. Falls jemand bereits Erfahrungen mit „Just a Browser” gesammelt hat, kann er oder sie diese gerne hier als Kommentar hinterlassen oder mich anschreiben.

https://www.googlewatchblog.de/2026/01/google-chrome-einfach-nur-der-browser-kostenloses-neues-tool-entfernt-ki-tracking-apps-und-telemetrie/

KI-Modelle | Eine Artikelserie als Einordnungshilfe

Ich nutze hin und wieder auch mal KI als „Hilfestellung“ und aber immer mit kritischem Blick. Mehr aber auch nicht. Datenanalysen sind nicht mein Kerngeschäft. Da ist es sicherlich ein hilfreiches Werkzeug. Auch kann ich aus rechtlichen Gründen die „Maschine“ an viele Dinge nicht ran lassen. Aber als Ideengeber, Hilfe beim strukturieren einer Idee u. ä. Dinge kommt die KI gelegentlich zum Einsatz. Ich bevorzuge dabei europäischen Modell wie Mistral AI/LeChat. Das hier von Christian Müller (sozial-pr) vorgestellt als Auftakt einer Artikelreihe vorgestellt wird.

https://www.sozial-pr.net/le-chat-teil-1/

LEAN

Befähingen in de Fokus stellen | Menschen stärken für bessere Prozesse

Auch wenn Lean von manchen Menschen fälschlicherweise auf „Kosteneffizienz” reduziert wird, spielt im Lean Management ein positives und wachstumsorientiertes Menschenbild eine bedeutende Rolle. Es geht darum, Menschen zu befähigen, Probleme selbst zu erkennen und zu lösen, kontinuierlich zu lernen und sich sowie die Prozesse weiterzuentwickeln. Das kommt bei Alexander Ruderisch gut zum Ausdruck.

https://leanbase.de/publishing/post/b5pea-menschen-starken-prozesse-optimieren-positiv

AGILE

Scrum | Weshalb wir mehr den je Scrum brauchen werden

Ja, ich weiß. Manche behaupten, Agile sei angeblich tot. Und nein, das ist es nicht. Ganz im Gegenteil. Scrum ist beispielsweise ein exploratives Entwicklungsrahmenwerk, das gerade in Zeiten großer Umbrüche sehr hilfreich sein kann. Natürlich wird überall versprochen, die KI werde alles retten. Aber wann wurden diese Versprechen je eingelöst? Noch nie. Neue Technologie, neue Möglichkeiten. Aber auch neue Probleme und Hindernisse. Wir müssen erst noch lernen, wie wir sie sinnvoll einsetzen. Das bedeutet, dass wir explorativ unterwegs sind. Und genau da passt wieder Scrum. Genauso wie Mary Iqbal es schreibt: Scrum mehr denn je!

https://www.rebelscrum.site/post/scrum-more-than-ever

Enge und Lose Koppelung I| Wie das Portfolio und Organisationsdesign zusammenhängen

Cesario Ramos greift hier – ob er sich dessen bewusst ist, weiß ich nicht – eine Idee des Organisationstheoretikers Charles Perrow aus den 1980er/1990er Jahren wieder auf. Zumindest kenne ich sie von dort. Der Essay steht seit meiner Studienzeit im Buchregal, da er ein Klassiker der Organisationsoziologie ist. Enge und lose Koppelung von Prozessen bedürfen unterschiedlicher Herangehensweisen, und das gilt auch beim Stichwort Skalierung. Bei eng gekoppelten Prozessen können kleinste Fehler zu einer gefährlichen Verkettung führen (sein Beispiel waren damals Atomkraftwerke). Teams, die eng gekoppelt sind, benötigen daher mehr „Koordination” als lose gekoppelte Teams mit geringeren Abhängigkeiten. Eine Unterscheidung, die ich persönlich hilfreich finde. Übrigens gilt das auch, wenn wir von Wertströmen sprechen. In diesem Artikel geht es allerdings um skalierte Scrum-Teams in der Produktentwicklung. Daher auch die Annäherung über das Portfolio bei Ramos. Da sage noch jemand, die „alten” Klassiker hätten ausgedient. Ganz im Gegenteil! Es lohnt sich, sie hin und wieder aus dem Regal zu holen.

https://creatingagileorganizations.com/how-your-portfolio-determines-the-right-design/

Enge und lose Koppelung II | Die Wirkung der Kooppelung im Portfolio und ihre Wirkung

In eine ähnliche Kerbe wie Ramos scheint auch Ilia Pavlichenko zu schlagen. Er schlägt die Brücke zwischen der Ausrichtung des Geschäftsportfolios und der Koppelung seiner Bestandteile untereinander. Wir erinnern uns: Enge oder lockere Koppelung macht durchaus einen Unterschied und übertragen dies dann auf die Organisation im Sinne von Zentralisierung und Dezentralisierung. Dabei sprechen wir hier von Strategie und nicht von operativer Umsetzung. Mir wäre es daher zur besseren Unterscheidung lieber gewesen, wenn diese Dimension ebenfalls nochmals sauber unterschieden worden wäre (Pardon, der Verwaltungswissenschaftler in mir ging durch).

https://www.scrum.org/resources/blog/how-aligned-your-business-portfolio

Überlange Backlogs | Ursachenforschung und Auflösung

Ich mag keine überbordenden Backlogs. Sie sind unübersichtlich und bringen daher keinen Mehrwert. Leider findet man sie jedoch häufig. Was sollen eigentlich jahrealte Einträge im Backlog? Die braucht niemand. Die können weg. Sie versperren nur den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge. Es gibt tolle Tipps, wie man ein Backlog entrümpelt. Ab und zu wird auch die Frage gestellt, weshalb die Backlogs immer wieder viel zu voll sind, aber wirklich tiefgehende Artikel dazu sind selten. Simon Flossmanns Beitrag fällt daher ein bisschen aus dem Rahmen. Er bohrt etwas tiefer, was mich freut. Er vermutet, dass fehlende regelmäßige Releases, keine Reviews und kein „echter” PO (gemeint ist, dass die Rolleninhaber kein effektives Mandat haben) die Gründe sind. Er versucht, alle drei Thesen zu untermauern. Ich würde jedoch nicht sagen, dass es an den Reviews liegt, sondern eher am fehlenden echten Austausch zwischen den Schlüsselanspruchsgruppen und den Entwicklern an sich. Bei großer Ferne zu den Endnutzern bringen mir regelmäßige Reviews wenig, denn mir fehlt das Feedback genau dieser Zielgruppe. Das lässt sich erstaunlich oft beobachten. Gerade in großen Organisationen erlebt man „Scrum-Teams”, die kaum echte Nutzer zu Gesicht bekommen. Bestenfalls kommen die Sponsoren zu den Reviews. Entsprechend fehlt das Feedback.

https://www.scrum.org/resources/blog/unbequeme-wahrheiten-uber-lange-product-backlogs-und-3-fragen-die-sich-scrum-master-stellen-sollten

KI und Scrum | Vermeintliche Effiienzgewinne, die in technische Schulden münden

Ich bin selbst kein Entwickler und kann daher in den technischen Tiefgründen nicht wirklich mitreden. Allerdings gefällt mir der Hinweis von Stefan Wolpers sehr gut, da er KI kritisch betrachtet, ohne sie zu verteufeln. Es geht um die Grenzen des KI-Einsatzes und darum, dass auch mit KI-Unterstützung „handwerkliches Können” nicht obsolet wird, sondern im Gegenteil von Bedeutung ist, um die Entstehung technischer Schulden zu minimieren. Natürlich kann ich mit KI schnell Software erzeugen, das Kernproblem bleibt jedoch bestehen. Mit anderen Worten: Wer glaubt, dass mit KI organisatorische Rahmenkonzepte wie Scrum und handwerkliches Können obsolet werden und man das alles abschaffen könnte (der feuchte Traum der Effizienzneurotiker), der irrt. Der Beitrag ist auf Englisch und Deutsch verfügbar. Allerdings ist die deutschsprachige Fassung eine KI-Übersetzung mit einigen Schwächen, was auch die Grenzen von KI-Systemen aufzeigt. 😉

Englische Version https://www.scrum.org/resources/blog/ralph-wiggum-ships-code-while-you-sleep-agile-asks-should-it

Deutche Version https://www.scrum.org/resources/blog/ralph-wiggum-liefert-neuen-code-wahrend-sie-schlafen-agile-fragt-sollte-das-so-sein

Metriken und KI | Sichtbar machen, ob und wie gut der KI-Einsatz funktioniert

Da wir gerade beim Thema sind, dass KI nicht immer einen Mehrwert bedeutet, gibt es hier noch einen Beitrag von Sanjay Saini zum Thema Metriken. Darin richtet er den Fokus auf die Mensch-KI-Interaktion und zeigt, wie sich die Auswirkungen dieser Interaktion messen lassen. Dabei spielt das Verhältnis zwischen dem Ergebnis der KI und der Nacharbeit durch den Menschen eine zentrale Rolle. Es gibt also bereits Menschen, die sich Gedanken darüber gemacht haben, wie sich das Ganze mit Zahlen, Daten und Fakten untermauern lässt. Das ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, dennoch ein Ausgangspunkt.

https://agileleadershipdayindia.org/blogs/agentic-ai-agile-project-office/ai-agile-agent-kpis-metrics.html

MANAGEMENT UND LEADERSHIP

Mehr Leadership | Wenn alte Muster durchschlagen

„Mehr Leadership, weniger Management“ – damit ist eigentlich alles gesagt. Wenn es nur so einfach wäre! Zum einen haben wir oft nur „Verwalten“ gelernt und nicht, was es bedeutet, zu führen. Zum anderen gebe ich Marei Bauer recht: Alte Muster wirken lange nach. Das erklärt, weshalb der „Führungsabsolutismus“ gerade wieder häufiger zu beobachten ist. Wenn es klemmt, verfällt der Manager, wie jeder andere Mensch auch, gerne in alte Denkmuster zurück. Schade eigentlich um das ungenutzte Potenzial. Dennoch ist es allzu menschlich. Es muss aber nicht sein. Wenn wir uns dessen bewusst sind, gegensteuern und echtes Vertrauen mit Commitment auch dann in den Fokus stellen, wenn es mal ruckelt, und nicht sofort in alte Muster verfallen, ist das möglich. Es lohnt sich. Wirklich.

https://t2informatik.de/blog/trust-commit-verantwortung-fuehrungsprinzip/

Führungsrollen | Immer weniger streben sie an

Felix Stein weist auf eine erschreckende, aber auch interessante Studie hin. Führungsjobs sind ziemlich unattraktiv geworden. Und ja, ich kann die Gründe dafür sehr gut nachvollziehen. Aber lest selbst.

https://www.lean-agility.de/2026/01/fuehrungsrollen.html

Partizipation | Mut zu mehr Partizipation in Unternehmen

Zum Thema „Führungsrollen bleiben unbesetzt” könnte auch der folgende Impuls von Jörg Sommer passen. Darin geht es um die Frage, wie es um die Partizipation in deutschen Unternehmen steht. Meiner Wahrnehmung nach trägt Partizipation dazu bei, dass Menschen Verantwortung übernehmen und bereit sind, aktiv Rollen auszufüllen, weil sie dabei die Erfahrung gestalterischer Möglichkeiten machen können. Gerade diese Erfahrung scheint ja – siehe die erwähnte Studie – zu fehlen. Abgesehen davon tut eine Organisation, die Teil einer demokratischen Gesellschaft ist, gut daran, Demokratie nicht als die der anderen zu definieren, sondern selbst Partizipation zu wagen, wie Jörg Sommer es ausdrückt. Das bedeutet jedoch nicht, dass man gleich zur unternehmensdemokratischen Organisation wird und das Management abgeschafft wird. Etwas mehr strategische „Föderalisierung” und nicht nur operative Dezentralisierung würde vielen Organisationen gut tun, da sich dadurch Problemlösungskompetenz erlernen lässt, Verkrustungen in der Organisation aufgebrochen werden und die Innovationskraft gestärkt wird. Zumindestm eine These. Davon abgesehen vom gesellschaftlichen Beitrag, wenn dort wo wir die meiste Zeit des Tages verbringen, demokratische Diskursmuster täglich eingeübt werden.

https://demokratie.plus/316-die-demokratie-der-anderen/

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