„Eine Runde Bullshit-Bingo. – Scrollst Du wieder durch die Linkedin-Timeline?“
Tja, so kommt es mir leider immer öfter vor, wenn ich auf Linkedin schaue. Traurig. Okay, nicht nur bei Linkedin. Eigentlich auf fast allen Social Media Kanälen. Es geht nicht mehr um „schaut mal, ich habe etwas Tolles gehört / gesehen / gelesen und möchte es mit euch teilen“ oder „ich habe eine Idee, die ich mit euch diskutieren möchte“, sondern der Fokus liegt auf „ich bin der große Superheld, den ihr unbedingt engagieren müsst“. Natürlich ist das legitim. Von irgendwas muss man ja leben, und ohne Werbung wüsste niemand, dass wir einen Service, ein Produkt, eine Dienstleistung anbieten. Aber je mehr wir versuchen, uns mit Effekthascherei zu übertrumpfen, desto mehr rückt die Effekthascherei in den Vordergrund. Sie mutiert fast zum Selbstzweck, weil wir ständig auf der Suche sind, wie wir aus dem Heuhaufen herausstechen können. Dumm nur, dass am Ende nichts als Effekthascherei herauskommt. Die Folge: Immer mehr Menschen wenden sich zu Recht ab. Auch ich. Übrigens nicht nur auf Social-Media-Plattformen, nein, der Trend der „Aufmerksamkeitsökonomie“ zum Marktschreier durchdringt nach und nach immer mehr andere Lebensbereiche. Wurde früher noch augenzwinkernd und humorvoll in Bezug auf einzelne Mitmenschen „mein Haus, mein Auto, meine Yacht …“ als Wichtigtuerei abgetan, so erscheint mir das zunehmend normal. Nicht Zuhören, nein, das Übertrumpfen des Anderen am laufenden Band wird zur neuen Normalität. Ein Gedanke, der mir immer öfter kommt. Ich habe keine Patentlösung. Ich finde es nur schade, denn ich bin ein großer Freund des Austausches und vermisse ihn immer mehr. Mir geht der „Marktschreierübertrumpfungswettbewerb“ zunehmend auf den Senkel. Und ich weiß, damit bin ich nicht allein damit.
Was mache ich damit? Rückzug aus Social Media? Nur noch den Blog bespielen, über den eigentlich auch selten etwas an Austausch zurückkommt? Die eigene Blase abschotten, damit ich mich dem Ärger nicht mehr stellen muss? Nur noch analoge Plattformen nutzen? Oder einfach resignieren und es bleiben lassen? Fragen über Fragen …
Das geht mir genau so. Ich mache inzwischen weitgehend Social Media Diät. Austausch hole ich mir bei Präsenz-Veranstaltungen.
LG Eberhard
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