
Am letzten Wochenende ist mir schmerzlich bewusst geworden, was mich an vielen Diskussionen stört: Man müsste, man sollte – in hochtrabenden Worten. Wortreich wird darüber debattiert, was alles nicht gut ist, und es werden Luftschlösser errichtet, ohne die Frage der Wirksamkeit zu stellen und ohne konkretes Handeln in die Wege zu leiten. Es gibt wunderbare Ideen, was andere tun müssten, aber es wird nicht gefragt, was jeder Einzelne tun kann. Es gibt keine konkreten Vorschläge, anhand derer wir erkennen können, ob wir wirksam werden. Es findet kein kollektives Lernen statt. Es fehlt das Sichtbarmachen konkreter Zieletappen und Schritte von der Vision zum Ziel. Es fehlt die Frage: Wie setzen wir es konkret um und was kann jeder Einzelne beitragen? Es gibt nur hochtrabende, ferne Ideen von „man müsste” und „jemand sollte”, die nicht in konkretes Handeln heruntergebrochen werden, das Wirksamkeit entfaltet. Es gibt nur vage Ideen, die nicht einmal als Richtungsgeber dienen. So strampeln wir kollektiv weiter auf der Stelle, anstatt wirklich ins Handeln zu kommen. Wenn jeder die hochgelobten Werte wirklich leben würde! Im Rahmen seiner Möglichkeiten. Wir wären um einiges weiter. In Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Doch wir sitzen lieber in der Turmspitze unseres Elfenbeinturms und geben uns mit hochtrabenden Analysen zufrieden, ohne unsere eigene Wirksamkeit auch nur ansatzweise zu hinterfragen. Wir beginnen nicht im Kleinen, bei dem, was jeder selbst bewirken kann, und kommen so nicht ins Handeln. Wir ziehen es vor, in Wolkenkuckucksheim zu debattieren, was andere tun können, ohne konkret und verbindlich zu werden.
Und wir wundern uns, dass wir immer müder werden. Zumindest ich bin es. Ich bin müde von den ewig gleichen Diskussionen, die sich im Kreis drehen und aus denen nichts Konkretes außer Selbstdarstellung und Kampf um die Fressnäpfe der Macht entsteht, während immer wieder das Lied der Sachdebatte angestimmt wird, ohne wirklich konkret zu werden. Ich bin müde von kleinteiligen Scheindebatten darüber, was alles nicht geht, von grammatikalisch korrekten Schreibweisen und leeren Absichtserklärungen ohne Folgen.
Ja, es braucht ein klares Bild davon, wofür man wahrgenommen werden will. Als Richtungsweiser und Kompass. Ja, es braucht ein Verständnis, wohin die Reise gehen soll. Konkret und mit Handlungsweisen. Aber dann bitte ehrlich und ernst gemeint. Und dann bitte konkret in wirksame Schritte der Umsetzung herunterbrechen statt in leeren Phrasen ohne Taten zu verharren. Wer immer schön unverbindlich bleibt, muss nicht fürchten, sich selbst infrage zu stellen. Die Bequemlichkeit hat gewonnen. Das bringt uns aber nicht voran. Davon ändert sich nichts.