#GEDANKENBLITZ | Nachdenklich

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And it’s whiskey in the mornin‘, whiskey in the night
Another Irish soldier-lad, has fought his final fight
We’ll toast him till we’re drunk Boys, and dowse the candle light
Tell them Captain Taggart, is comin‘ home tonight

Refrain aus „Free and Green“ von David Kincaid

Ich bin in einem Alter, in dem die Einschläge näher rücken und häufiger werden. Das ist der Lauf der Zeit. Heute Mittag erreichte mich erneut die Nachricht, dass ein weiterer Mensch, der mich auf meiner Reise durchs Leben begleitet hat, verstorben ist. Klar, das Alter war da. Und es kam nicht unvorbereitet. Ich war vorgewarnt. Aber mich hat es für einen kurzen Moment aus der Bahn geworfen. Es lässt mich nicht kalt. Und es macht mich nachdenklich. Sehr nachdenklich. Wieder einmal.

Es mag verrückt klingen, aber in meinem Umfeld habe ich schon öfter gesagt, dass „Free and Green” aus den Lautsprechern dröhnen muss, wenn mein Sarg in die Erde gelassen wird. Es gibt tatsächlich eine Setliste für die Beerdigung (gehört mal wieder aktualisiert, fällt mir da ein), denn das übliche Trauergedöns muss beim besten Willen nicht sein. Vielleicht lässt auch jemand Eddie Sherlock aus Dublin einfliegen – mir gefällt seine Musik und sein Stil besonders gut. Okay, das wäre dann doch etwas zu viel verlangt (aber auf der Setliste ist er auf jeden Fall) 😉

Danach wird eine Flasche Whisky (in der Vitrine steht fast immer eine für den Tag X bereit) entkorkt. Die Gläser werden erhoben und „Parting Glass” angestimmt! Aber natürlich nicht auf dem Friedhof. Wir wissen uns zu benehmen. Dennoch seid bitte so nett und lasst mir auch ein „Glas” da. Auf den Sarg kippen. Und dann feiert ganz im Stil eines „Irish Wake“ das Leben. Das hat mir schon immer gut gefallen. Das Leben feiern. Auch wenn es vorbei ist. Es geht weiter. Und es ist alles gut, wenn wir nicht in Vergessenheit geraten. Lacht gemeinsam mit mir, auch wenn ich dann nicht mehr selbst dabei sein kann. So stelle ich es mir vor. Ist es verrückt, sich das vorzustellen? Vielleicht. Aber es erinnert mich auf jeden Fall immer wieder daran, was wirklich wichtig ist. Und das vergesse ich leider viel zu oft.

Gerade deshalb habe ich an einem bestimmten Tag das Ritual eingeführt, an dem ich all jenen gedenke, die nicht mehr da sind. Damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Ich erinnere mich an sie. Bewusst. Und es sind inzwischen doch einige geworden. Es werden immer mehr. Kein Tag der Trauer, sondern ein Tag des Erinnerns. Ob das eines Tages auch jemand für mich machen wird? Keine Ahnung. Aber ich hoffe, dass ich im Leben nicht so viel falsch gemacht habe.

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