
Dieser Tage musste ich – entschuldigt die kleine Anekdote – an eine Studienkollegin von vor über 20 Jahren denken. Wenn ich mich richtig erinnere, kam sie aus Italien. Sie hatte damals etwas erzählt, das mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. „Als ich in Italien angefangen habe zu studieren, sagte der Professor, dass wir nach links und rechts schauen sollten. Dort säßen unsere Verbündeten im studentischen Alltag, mit denen wir eng zusammenarbeiten sollten. Als ich in Deutschland angefangen habe, sagte der Professor, wir sollten ebenfalls nach links und rechts schauen. Dort säßen unsere Konkurrenten und Mitbewerber.“ Letztere Denkweise begegnet mir im Arbeitsleben seither immer wieder. Mit Folgen. Folgen, die dazu führen, dass wir unnötige und nicht wertschöpfende Arbeit erzeugen.
Links von mir leistet jemand Arbeit, auf der ich aufbaue, und rechts von mir arbeitet jemand mit meinen Arbeitsergebnissen weiter. Zusammen liefern wir ein Gesamtergebnis. Dafür müssen wir zusammenarbeiten. Wenn jeder nur auf seinen eigenen Teil achtet, aber nicht beachtet, wie die Arbeit durch den Arbeitsfluss wandert, erzeugt er unnötige Reibung und gefährdet das Gesamtergebnis. Abhilfe schafft man, indem man vom Endergebnis kommend den Prozess von links nach rechts betrachtet und sich überlegt, wer was für wen mit welchem Ziel macht. Was kann ich tun, damit die Arbeit reibungsfrei übergeben werden kann? Was kann ich tun, um die Zusammenarbeit zu erleichtern? Wenn wir das tun, profitieren wir alle davon. Und nein, wir sind nie vollständig „unabhängig”, denn immer liefert jemand zu und jemand nimmt etwas ab. Auch im Alltag. Es gibt also genug Möglichkeiten, dies einzuüben.