#GEDANKENBLITZ | Eat your own doogfood oder lebe vor, was Du von anderen forderst

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Egal, ob Politiker, Manager, Berater, Vorgesetzter oder Kollege – es sollte selbstverständlich sein, das, was man fordert, selbst vorzuleben. Auf Neudeutsch: Eat your own dogfood. Doch leider sieht die Realität oft anders aus. Wir haben jede Menge Ideen, was andere alles tun können, klammern uns dabei aber selbst aus. Ich bin jetzt an dem Punkt, an dem ich mir selbstkritisch an die eigene Nase fasse. Von dieser Kritik schließe ich mich nicht aus.

Leider ist oft genug das Gegenteil der Fall. Besonders fällt es mir auf, wenn jemand lauthals verkündet, die Lohnkosten seien zu hoch und die Mitarbeitenden sollten sich mit weniger Gehalt zufriedengeben. Wenn ich genauer hinschaue, muss ich fast jedes Mal feststellen, dass diejenigen, die diese Forderung verkünden, sich selbst dabei ausnehmen und sich kurze Zeit darauf einen dicken Bonus gönnen. Achtung, Ironie! Es ist schon merkwürdig, dass die Mitarbeitenden sich dann verschaukelt vorkommen.

Ich muss allerdings fair sein: Ich habe es auch – in ganz, ganz wenigen Fällen – anders erlebt. Da gab es beispielsweise einen Aufsichtsratsvorsitzenden einer Aktiengesellschaft (es handelte sich nicht um einen der großen Weltkonzerne, aber auch nicht um einen kleinen Betrieb), der den Reinigungskräften eine Gehaltserhöhung gegönnt hat, sich selbst jedoch nicht („Ich habe jetzt schon mehr als genug auf dem Konto und merke den Unterschied eh nicht, dafür meine Mitarbeitenden.“). Oder ich denke an den Bürgermeister einer mittelgroßen Stadt, der vor ein paar Jahren das Spardiktat verkünden musste, daraufhin seinen Dienstwagen gegen seinen privaten VW Golf getauscht und einen Teil seines Gehalts als Spende an die Stadt zurückgegeben hat (beamtenrechtlich war der Gehaltsverzicht nicht möglich). Es gibt sie, die rühmliche Ausnahme von der Regel. Nur viel zu selten.

Denn viel zu oft gilt: Man müsste und man sollte, aber nicht man selbst. Das gilt auch im Kleinen. Die besten Kollegen scheinen die Damen und Herren mit den Familiennamen „Man müsste” oder „Man sollte” zu sein. Tolle Ideen, was andere tun könnten, haben wir alle zuhauf. Wenn es aber darum geht, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen, wird es plötzlich ganz still. Das ist ganz schlechtes Karma. Das ist einer der Gründe, weshalb ich gerne Mitmenschen in die Pflicht nehme, die tolle Vorschläge haben, was andere machen können. Quasi als „Charaktertest”. Wer einen Vorschlag einbringt und selbst aktiv an der Umsetzung mitwirkt, kann mit meiner Unterstützung rechnen. Alle anderen – tja, ihr habt Pech.

Keiner ist perfekt. Ich nicht. Und auch sonst niemand. Zumindest ist mir noch niemand über den Weg gelaufen. Selbst die glorreichen Helden der Menschheitsgeschichte waren keine Heiligen. Das ist kein Vorwurf. Es gibt zuhauf Ideen, was andere machen könnten. Schön wäre es, wenn wir uns dabei auch mal selbstkritisch hinterfragen würden und nur das „erwarten” würden, was wir auch selbst bereit sind umzusetzen. Das gilt besonders, wenn wir andere zum Verzicht auffordern. Dann würde auch ein Schuh daraus werden.

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