
„Schweigen gilt als Zustimmung.“ Diese Formulierung überzeugt mich nicht, und ich halte sie für problematisch. Zustimmung ist für mich etwas, das aktiv und bewusst signalisiert wird. Im besten Fall deutet Schweigen darauf hin, dass niemand Einspruch erhebt. Deshalb frage ich persönlich lieber direkt nach, ob jemand Einwände gegen einen Vorschlag hat. Ich fordere die Teilnehmer explizit auf, sich konkret zu äußern.
Warum? Schweigen kann ein Zeichen für „Gruppendenken“ sein. Es fehlt dann oft an Offenheit und Vertrauen, Bedenken offen zu äußern. Kritik wird zurückgehalten, weil niemand als Störfaktor gelten oder jemandem „auf den Schlips treten“ möchte.
Aber ist der Widerstand gegen einen Vorschlag wirklich so gering, dass niemand Einspruch erhebt? Das bleibt spekulativ. Der Einfachheit halber gehe ich zunächst davon aus. Allerdings werde ich hellhörig, wenn es häufiger vorkommt: Niemand erhebt Einwand? Bei einfachen Entscheidungen, etwa einem Terminvorschlag, mag das unproblematisch sein. Doch wenn ich immer wieder erlebe, dass gar kein Widerspruch kommt, werde ich misstrauisch.
Misstrauisch werde ich, wenn ich den Verdacht habe, dass die Rahmenbedingungen für einen offenen Austausch nicht gegeben sind. Dann höre ich genauer hin und beobachte aufmerksamer. Wenn ständig kein Widerstand gegen Vorschläge kommt, stimmt irgendetwas nicht. Das ist meine persönliche Erfahrung.