#GEDANKENBLITZ | Entscheidungsfreiheit im Organisationen – zwei Dimensionen: Dezentralisierung/Zentralisierung und Föderalismus/Unitarismus

Wenn ich mir so manche Diskussion in der agilen Community anschaue, störe ich mich persönlich immer wieder an der wenig ausgeprägten Unterscheidung zwischen strategischen und operativen Entscheidungen, die gänzlich unterschiedliche Qualitäten darstellen. Ich unterscheide daher gerne zwischen gerne zwischen Dezentralisierung vs. Zentralisierung und strategischen Förderalismus vs. Unitarismus und bediene mich dabei bewusst der politikwissenschaftlichen Terminologie, um die beiden Entscheidungsebenen zu unterscheiden.

Dezentralisierung / Zentralisierung bezieht sich auf den Grad der alleinigen Entscheidungsbefugnis in operativen Fragen. Wie viel Entscheidungsfreiheit haben Peripherie im Verhältnis zum Zentrum beim Vollzug von operativen Themen? Eine ausgeprägte dezentrale Struktur gibt der Peripherie einen hohen Grad an Entscheidungsfreiheit in operativen Fragen, unabhängig vom Zentrum. Während ein hoher Zentralisierungsgrad aussagt, dass die Entscheidungsfreiheit der Peripherie gering, die des Zentrums ausgeprägt hoch ist.

Föderalismus / Unitarismus ist die Dimension, die ausdrückt, wie hoch der Grad der Beteiligung an strategischen Themen innerhalb einer Organisation ist. Sind strategische Entscheidungen ausschließlich auf das Zentrum gerichtet und werden dort getroffen, ohne das die Peripherie auch nur die geringsten Mitspracherechte hat, spreche ich Unitarismus. Im Gegenstück hierzu ist die Beteiligung der Peripherie an strategischen Entscheidungen durch das Zentrum. Beteiligt das Zentrum, die Peripherie und gibt es garantierte Mitspracherechte, spreche ich gerne von „Föderalismus“.

Während auf Entscheidungen vollständig (operativ) dezentralisieren kann, ist das auf strategische Ebene – wegen der koordinierenden Funktion – nur bis zu einem bestimmten Punkt möglich. Daher gefällt mir das Bild des „Föderalismus“, bei der die jeweiligen Entscheidungsebenen in Abstimmung zu einander treten müssen, sehr gut. Das Gegenstück eines unitarischen Entscheidungszentrums in einer Organisation halte ich jedoch persönlich nicht für zielführend, weil mir hier die Rückkopplung zur „operativen“ Wirkung der Strategie fehlt. Auch bin ich kein Freund davon, wenn Entscheidungen im stillen Kämmerlein unter Ausschluss derjenigen stattfinden, die sie später operativ umsetzen, getroffen. Im Umkehrschluss gilt: Der Fokus der Führung im Zentrum ist die strategische Ausrichtung der Organisation. Sie muss die Entscheidung vertreten, daher sollte sie auch ein gewichtiges Mitspracherecht besitzen, ohne von der Peripherie überstimmt zu werden. Eben dies sind Gründe, warum ich mir „föderale“ Unternehmensstrukturen in Verbindung mit dezentralisierten Einheiten wünsche, die Nahe an den Herausforderungen der „Zielgruppe“ der Organisation sind, die es zu lösen gilt 😉

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